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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
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ERSTER BRIEF.

Sie machen mir da, mein sehr verehrter Freund,einen seltsamen Vorschlag: ich soll den Platz, auf demallein ich mich eigentlich zu Hause fühle, das Katheder,verlassen, und auf einen andern als den mir gewohntenBoden mich stellend, in Briefen an Sie meine psycho-logischen Ansichten entwickeln. Und damit ich gar nichtzweifelhaft bleibe über den Ton, den ich anzunehmen habe,fügen Sie zu der Versicherung: Sie seien ein völliger Laiein philosophischen Untersuchungen (von der Sie ohne Zwei-fel voraussahen, dafs ich sie bezweifeln würde), die Ankün-digung hinzu, Sie würden meine Briefe mit Ihrer Schwesterzusammen lesen, von der ich, da sie so liebenswürdig ist,allerdings glaube, dafs sie sich mit dergleichen nicht ab-gegeben hat. Sie weisen mich darauf hin, dafs in andernWissenschaften dergleichen Versuche mit Glück gemachtseien. Diese Beispiele können mich nicht beruhigen, daich mich jenen Männern, welche ihre Forschungen impopulären Gewände dem gebildeten Publikum vorlegten, anTalent nicht gleich achte, und da wieder sie nicht, wie ich,auf die entschiedenste, ja, wenn Sie wollen, übermütigsteWeise stets behauptet haben, dafs die Wissenschaft ihreeigne Sprache und trockne Methode nicht verleugnen dürfenoch könne. Sie erwähnen selbst, dafs, als wir uns dasletzte Mal sahen, dieser scholastische Charakter als von

Psychologische Briefe. Siebente Aufl. 1