D edikations-Epistel.
XIII
die man mir nachzuweisen versucht hat; nur einiges vondem, was mir im Gedächtnis geblieben, will ich hier an-führen. Die erste Anzeige, die mir zu Gesicht kam, fol-gert daraus, dafs ich gesagt habe, die Ethik betreffe d e nGeist, welcher die einzelnen Geister als seine Organe durch-dringt, ich sei Pantheist, ein Vorwurf, der gut zusammen-pafst mit dem einer zweiten, dafs ich kein Christ sei, daich behauptet habe, die Seele sei nicht unsterblich (ichhabe nämlich gesagt: das Ich sei es). Beide aber werdenneutralisiert durch eine dritte, welche mir vorwarf, ich habeerbauliche Betrachtungen im Predigttone, frömmelnde De-klamationen anstatt wissenschaftlicher Raisonnements ge-geben. Wem nun glauben? Wem wieder unter zweiandern, mir fast gleichzeitig bekannt gewordenen Be-urteilungen, deren eine mir vorwirft, ich habe sehrwesentliche Punkte der Psychologie weggelassen, indemich unter anderm von dem Verhältnis des Menschen zuGott gar nicht spreche, während eine andere behauptet,sehr vieles, was ich besprochen habe, z. B. der Begriff desCharakters, gehöre in die Ethik und nicht in die Psycho-logie. Auch wenn mir nicht der eine Vorwurf sogleich ge-rade so vorgekommen wäre wie der, den man einem ge-burtshilflichen Werke daraus machen wollte, dafs es eineArt der Geburt, die Wiedergeburt nämlich, nicht erwähne,der andere Tadel aber gerade so, als wenn man sagenwollte: der Physiker dürfe nicht von Farben sprechen,weil der Seiden- und Tuchfabrikant sie für ihre Warenanwenden, würden doch in ihrer Verbindung jene beidenVorwürfe sich sehr abgeschwächt und mich ruhig gelassenhaben. Wie viel mehr endlich mufste diesen Erfolghaben, wenn nicht je zwei, beliebig zusammengestellte,'sondern eine und dieselbe Beurteilung ganz Entgegen-gesetztes von den Briefen sagte. So etwas aber fand sichwirklich in der ausführlichen Anzeige, die in einem viel-gelesenen Blatte der „Deutsche Philosoph“ gegeben hatte.(Ich meine natürlich nicht den aus Görlitz , den alle Weltso nennt, sondern einen in München , der sich selbst sobezeichnet, was freilich viel leichter und bequemer ist.)Die Summe seiner Kritik über meine harmlosen Briefeist: sie sind geistreich, aber sie enthalten Unsinn. DiesUrteil hat mich nicht zu dem Versuch bewogen, die