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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
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Erster Brief.

zeigt uns die Unmöglichkeit, sich selbst zu leiten, dasBedürfnis, erzogen und, wenn es nötig ist, gezüchtigt zuwerden. Schriebe ich an einen andern, als Sie, so könnteich fürchten, dafs er mir eine Vorliebe für die Sklavereiandichtete. Bei Ihnen fürchte ich dies nicht. Dagegenversehe ich mich einer Konsequenz, die ich aus dem gezogenwünsche, was ich eben gesagt habe: Wo der Junge un-gezogen bleibt, auch wo er alt wurde, ist es meistensdie Schuld dessen, der ihn in der Zucht hatte. Nichtnur meistens aber, sondern ohne alle Ausnahme ist esabscheulich, anstatt zu erziehen, die Erziehung zu ver-hindern. Passend wird gleich hier neben der Negerrassediejenige erwähnt, welche von sehr bedeutenden Physiologenals eine Nebenrasse der äthiopischen, ja von einigen sogarals ganz dieselbe angesehen wird. Es ist die, welcheBlumenbach als die malayische bezeichnet, die nachder hier entwickelten Theorie die australische genanntwerden müfste. Der Weltteil, den sie bewohnt, zeigt,wie dies schon oft, wie dies noch neuerlichst von einemberühmten Naturforscher ausgesprochen worden ist, den-jenigen Zustand fixiert, welcher zu einer Zeit, wo dieErde noch nicht ihre vollkommensten Produkte hervor-brachte, überall auf ihr stattfand. Er hat etwas Em-bryonisches mit seinen zerrissenen Inseln einerseits undseinem Afrika in verkleinertem Mafsstabe andererseits.Dieses Embryonische, an längst vergangene Bildungs-perioden der Erde Erinnernde, zeigt seine wunderlicheFlora, sowie seine Tierwelt, die in dem phantastischenSchnabeltier, in den seltsamen Beuteltieren die unfertigeNatur des Weltteiles abspiegelt. Der entschiedensteParallelismus aber zeigt sich zwischen diesem allen undder Beschaffenheit der Passe, die diesen Weltteil bewohnt.Haben wir in dem Äthiopier den Menschen in seinerungebändigten Kindheit gesehen, so erscheint er hier