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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
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Zweiter Brief.

Frage entstanden. Zunächst stehen sich hier zwei ganzentgegengesetzte Ansichten gegenüber, nach deren einer,solange es Menschen giebt, sie auch als verschiedeneRassen existieren. Man beruft sich dabei darauf, dafs derUnterschied sehr grofs ist und die Erfahrung von Jahr-hunderten kein Beispiel eines allmählichen Übergangeszeige, vielmehr nach vielen Generationen die in Afrika lebenden Kaukasier ihre Eigentümlichkeit behauptethaben. Dies spreche gegen die Möglichkeit eines Über-gehens und für die Ursprünglichkeit dieser Unterschiede.Allein dies Raisonnement, gesetzt auch, die Behauptungwäre ganz richtig einige bestreiten dies nämlichist doch nicht schlagend. Denn einmal würde man dannmit fünf Rassen nicht auskommen, ja auch die achtzehnRassen eines französischen Gelehrten wären nicht genug,denn die Juden sind nicht das einzige Beispiel, dafs sichin ganz anderen Klimaten ein ganz bestimmter Typus,wenn nur die Vermischung mit andern fehlt, jahrhunderte-lang erhält. Dazu kommt aber noch etwas anderes:man wird es nicht in Abrede stellen können, dafs manchePflanzen und Tiere, die jetzt nur auf dem ruhigen,regelmäfsigen Wege der Fortpflanzung erzeugt werden,in früherer Zeit durch sogenannte ursprüngliche Zeugunghervorgebracht wurden, sei es, weil die Erde damalsjünger und produktiver war, als heute, wo sie es nichtmehr vermag, sei es, weil der Stoff, aus dem sie entstehenkonnten, jetzt zu den sich fortpflanzenden Organismen ver-braucht ist. Es wäre nicht undenkbar, dafs es eine Zeitgab, in welcher die Natur mächtiger auf das junge undwiderstandslose Menschengeschlecht einwirkte, dafs in jenerZeit seine biegsame, gleichsam flüssige Natur sich zuverschiedenen Kerngestalten krystallisierte, an die nunalle weitern Veränderungen nur nach einem bestimmtenGesetz anschiefsen, ganz wie dies, wenn sich die Kern-