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Vierter Brief.
nannt werden. Diesem Gesetz nun unterliegt, wie jederMensch, so auch das Kind, aber dieses Gesetz existiert inihm noch nicht als selbstbewufster Trieb oder als Neigung,sondern zu wachsen, Zähne zu wechseln, und was allesdem Geschlecht Mensch eigentümlich ist, das geht mitihm vor als ein ungewolltes und unabwendbares Schick-sal. Werden Sie sich wundern, wenn ebenso als einSchicksal von ihm erfahren wird die Art des Menschen,soweit sie geistige, sich entwickelnde und fortbildendeAllgemeinheit ist, ich meine die Sitte? (Sitte ist Forde-rung der Menschheit, Humanität, an uns.) Auch dieSitte lebt in dem Kinde nicht als sein eigener Trieb, auchsie kommt an dasselbe als eine Macht, der es sich nichtentziehen kann, und die es sich mufs gefallen lassen. Dieallgemeinen Bestimmungen werden ihm beigebracht, und eswird an sie gewöhnt. Indem es geübt wird zu lassen,was „keine Art“ ist, ist es das (von aufsen) gesittete,artige Kind, es ist noch nicht durch sich selber gesittetoder sittlich. Genug, alles vereinigt sich, um diesesLebensalter als das erscheinen zu lassen, das unter dieZucht gehört, die es als wohlthätige Züchtung erfahrenwird, wo es sich ihr hingiebt, dagegen wo es sich ihr ent-ziehen will, in Züchtigung verwandelt. Gehorsam ist daherhier die einzige Tugend, Ungehorsam dieWurzel allerLaster.
Vom achtzehnten bis zum sechsunddreifsigsten Jahre(beim weiblichen Geschlecht vom fünfzehnten bis zum dreis-sigsten) reicht das zweite Lebensalter. Es zerfällt gleich-falls in zwei Lebensabschnitte und kann darum das Alterdes Jünglings und jungenMannes (der Jungfrau unddes jungen Weibes) genannt werden, Bezeichnungen, welcheder römischen adolescentia und juventus entsprechen. Wennbei dem Knaben alles auf passiven Gehorsam hinwies, sobei dem J ü n gl i ng(adolescens ) auf Selbstthätigkeit und aufVeränderung des Gegebenen; der feige Müfsiggang ist dar-