Vierter Brief.
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(juvenis) an, wie denn auch der gemeine Sprachgebrauch sicheines und desselben Wortes bedient, um den Gegensatzgegen den Jüngling und den Unverheirateten zu bezeichnen.Der ganz andere Anblick, den in anatomischer und phy-siologischer Hinsicht der junge Mann gewährt, weist daraufhin, dafs seine Bestimmung eine andere ist, als die desJünglings. Die Zunahme nur der Festigkeit des Körpers,bei der die Flexibilität schon zurücktritt, die vollständigeAusbildung und Verstärkung derjenigen Teile des Ske-letts, welche den Bewegungsorganen ihren festen Stützpunktgeben (der Schulter- und Beckenknochen), die nicht mehrvorzugsweise der Respiration, sondern vielmehr der Repro-duktion zugewandte Lebensthätigkeit, die Glut, mit wel-cher der endlich erlangte geliebte Gegenstand umfangenwird — alles dieses zeigt, was ihm für Aufgaben gestelltsind. Es handelt sich nicht darum, im leichten Sprunge(Weib und Amt) zu erhaschen und zu erobern, sonderndurch Vorgefundene Verhältnisse sich durchzudrängen, wozues starker Schultern bedarf; es handelt sich darum, sicheinzuleben mit Weib und Amt, beide mit dem in Einklangzu setzen, was man als das in der Jugend gewonnene Idealmitbrachte; es handelt sich darum, sein Haus zu gründen,die ersten Grundsteine des spätem Lebens zu legen; eswerden die erzeugt, die des Alters Stütze, es werden dieSchöpfungen angelegt, welche des Alters Ruhm sein wer-den. Dieses Einleben kann der schmerzlichen Erfahrungenviele haben, und daher bildet sich gerade in diesem Alteroft Krankheit des Leibes wie der sittlichen Verhältnisseaus. In den Flitterjahren zeigt sich manches, was fürGold gehalten ward, als Flitter. Je koncentrierter die Kraftwar, die der Jüngling herübertrug, je idealer seine Hoff-nungen, um so weniger sind hier Täuschungen zu fürchten.
Als mezso di cammino bezeichnet der Dichter den Zeit-punkt, wo der Mensch in das dritte Lebensalter tritt, in