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Fünfter Brief.
zunächst in seinem Kinde das Kind seiner Frau. Nurmittelbar, durch Vertrauen, wird jenes Kind sein. Darumgiebt es sehr oft gute Stiefväter, selten — vielleichtnie — Frauen, die ihre eigenen Kinder nicht vorzögen.Dafs dies nicht seinen Grund im bessern Herzen derMänner hat, dafür liefert den Beweis, dafs hinsichtlichder eigenen Kinder die Fälle viel häufiger sind., woein Vater, als wo eine Mutter sie verstöfst und vergifst.Wegen dieses ganz andern Verhältnisses ist es keinVerdienst, sondern es liegt in der Natur, dafs der Vaterweniger blind ist bei den Fehlern seiner Kinder, währendbei der Mutter zur Liebe sich die Selbstliebe gesellt, umsie zu verblenden, und dafs eben darum in der Erziehungjener als der Strenge, diese als die Beschwichtigendeerscheint. Wenn einer, der vor seinem Vater sich niegefürchtet hat, wohl gerät, so ist’s des Himmels Wille.Dies aber schliefst so wenig die Liebe des Kindes zumVater aus, dafs es vielmehr erklärlich macht, warum inden ersten Jahren die Kinder den Vater mehr zu liebenpflegen, als die Mutter. Abgesehen davon, dafs diese esist, die dem Kinde die unangenehmen Empfindungen desGewaschenwerdens u. s. w. giebt, abgesehen von dem Beizeder Neuheit, den der seltener gesehene Vater gewährt, istbei dem Kinde eine gewisse Dosis Furcht zur Liebe nötig;seine Liebe soll den Charakter des Dankes für unverdienteLiebe haben, hinsichtlich der Mutter fühlt es sich vonAnfang an mehr berechtigt; es fordert mit Kecht seineNahrung, und diese Nahrung ist der mütterliche Leib, esist, als wisse das Kind ebensogut wie die Mutter, dafses Fleisch von ihrem Fleisch ist und dafs sie von ihmnicht lassen kann, während der Vater es als sein Kindanerkennt, weil er seinem Weibe vertrauen will. So istdas Kind erfreut und gerührt, Liebe zu finden bei dem,der ja auch sein Stiefvater sein könnte und dessen Güte ihm