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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
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125
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Fünfter Brief.

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der Frau Gewicht legt, wo sie wie eine Frau urteilt.Kommt sie mit Gründen, da soll er taub sein, denn siesind seine Sache. Er wird also, um seine Sache voll-ständig zu erschöpfen, auch immer dies mit erwägen,wie sie im Geiste der Frau sich spiegelt, und was ihrdas Gefühl sagt, wird ihm auf diesem Umwege seinDenken sagen. Je mehr beide sich miteinander einlebten,je schneller wird dieses im eignen und der Frau NamenHandeln vor sich gehen, welches ich oben seinDenken,wie sie fühlt, genannt habe. Auf der andern Seite istalles, was der abstrahierende Verstand hervorbringt, vonNatur nicht Sache der Frauen. Hierher gehört nun alles,was man mathematische oder buchstäbliche Gesetzlichkeitund Korrektheit nennen kann. Wenn ich auch weit davonentfernt bin, zu sagen, dafs alle Frauen schmuggeln, zuspät kommen und übertreiben, so ist doch nicht zu leugnen,dafs die Befolgung einer vielleicht unvernünftigen, abergesetzlichen Regel und die Präcision auf die Minute ihnenleicht als pedantisch vorkommt; ja selbst dafs sie gern einwenig ausschmücken, kann ich nicht ganz leugnen, ob-gleich in meinen Augen ihre Bestimmung sie entschuldigt,die ja eben ist unser Leben auszuschmücken. Diebuchstäbliche Gerechtigkeit, welche in allen blofs recht-lichen Verhältnissen waltet, ist mehr unsere Sache, währendsie dagegen ein feineres moralisches Gefühl haben. Hierwird nun die Frau oft erfahren, dafs, was sie für eineKleinigkeit hält, vom Manne streng getadelt wird, dafs,wo sie die Billigkeit in Anspruch nimmt, er auf kontrakt-liche Bestimmungen hinweist u. s. w. Das Resultatwird sein, dafs sie zuerst jeder Zumutung, den blofsenBuchstaben zu verletzen, entgegensetzen wird: MeinMann will das nicht. Indem sie dies nicht nur andern,sondern ebenso den eignen Gefühlen entgegensetzt, wirdendlich die Belehrung des Mannes eigne Gewohnheit in