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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
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Fimfter Brief.

hinein und zum andern hinausgehen zu lassen, siewürden alle Sätze vermeiden, in denen die Worte Alle,oder Immer oder Nie vorkämen, denn diese pflegenimmer das angedeutete Los zu haben. Dergleichen istnämlich unsere Sache, nur uns gehören die Allgemein-heiten, und damit ist nicht etwa uns das Privilegium desGeistreich-seins zugesprochen, sondern gerade den Frauen;denn geistreich ist, wer etwas Besonderes zu sagenweifs. Ich habe früher, wenn mich docierende Frauenso ärgerten, geglaubt, das habe nur .persönliche Gründe,und habe, wenn ich nach diesen suchte, manchmal diearme Frau angeklagt, deren schauerliche Belehrungenüber Tonarten und Takt, die sie dem kleinen Jungengab, mich heute noch mit ihrem Nachhall von Langerweilepeinigen; ich habe dann in späterer Zeit sehr ernsthaftuntersucht, ob es nicht blofs verletzte Eitelkeit sei, diemich verstimmt; ich bin aber zu dem Resultat gekommen,dafs, wie in dem oben angeführten analogen Falle dieFrau, so hier ich völlig in meinem Rechte bin, wenn ichmich erbose. Zu dem Gefühl nämlich, dafs die Rechteunseres Geschlechts angetastet werden, kommt bei mirnoch etwas anderes, was wenn dies möglich wäremich bei dem andern Geschlecht sehr accreditierenmüfste, das Interesse an den Frauen. Bewundernswert,wie sie in concreto urteilen, unwiderstehlich und vonuns beneidet, gleichsam als Überreste jenes intuitivenErfassens der Dinge, nach dem manche Philosophenvergeblich gerungen, haben sie es vorgezogen, denPegasus vor den Ackerpflug zu spannen, fördern nichtsund werden, um zu sein wie die Männer, trivial. DasWort ist heraus, und ich will es nicht zurücknehmen.Die Sentenzen, die wir aus ihrem Munde vernehmen,die haben wir wirklich schon gehört, als wir noch imTrivio waren, Trivium aber und Quadrivium hat uns