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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
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137
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Sechster Brief.

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erscheint. Dagegen zeigt uns schon die Annäherungdes Schlafs, die Schläfrigkeit, ein Zurücktreten allerderjenigen Thätigkeiten, welche ein sich von der Aufsen-welt Unterscheiden und gegen sie Reagieren beurkunden.Die Muskeln, die während des Tages am meisten an-gestrengt wurden, der, welcher die Augen aufhält, dernur in den Momenten des Blinzelns nachläfst, die Streck-muskeln überhaupt, fangen an, ihren Antagonisten zuunterliegen, und es bedarf gewaltsamer Mittel, des sichReckens, des Reibens, um sie zu erneuter Thätigkeitaufzustacheln; es wird schwer, aufzuhorchen, die Tönefangen an zu verschwimmen; die Reize, welche bisherausreichten, das Leben anzufachen, verlieren ihre Macht,man seufzt, um mehr Luft als gewöhnlich zu schöpfen,das Seufzen wird endlich krampfhaft im Gähnen, mannimmt die Prise zu Hilfe, man kitzelt sich oder kneiftsich, kurz alles zeigt, dafs man nicht mehr imstande ist,gegen die Aufsenwelt zu kämpfen. Geht es weiter, sokann man sich nicht mehr sicher halten, man wankt, weilman seinen Schwerpunkt verloren hat, man sinkt endlichzusammen, die bewufste Empfindung, die willkürlicheBewegung ist auf ein Minimum reduciert, der Menschlebt nicht mehr im Sinne des animalischen Lebens, ervegetiert, und man nennt dies Schlafen.

Hier sehe ich Ihre Schwester erbost aufspringen.Wie? in diesem Zustande sei der Mensch (gleichsam)Weib geworden? Es bedarf grofsen Mutes, um solchemZorn gegenüber ein Huttenscheshabs gewagt auszu-sprechen, und vielleicht thue ich es nur, weil ich weitvon den Blitzen der beiden zürnenden Augen bin, vielleichtaber auch, weil ich ihren Zorn zu beschwichtigen hoffe.Folge sie mir an das Lager eines Schlafenden. Ein Tagder Sorge oder der wildesten Leidenschaften, des Un-friedens oder des Schmerzes hatte tiefe Furchen auf das