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Sechster Brief.
Antlitz des Wachenden gegraben. Er schläft jetzt, und immermehr glättet sich die Stirn. Was geht in ihm vor? Dasblofse Vergessen würde höchstens keine neue Veränderungim Gesicht hervorbringen, aber hier ist eine. Sind esheitere Träume? Schwerlich, denn das Antlitz bleibt soruhig, es ist kein Ausdruck der Lust, sondern nur derBefriedigung, der stillen seligen Ruhe? Warum? weil erselig ist und befriedigt, d. h. weil seine Seele in sichzurückgekehrt ist aus den Plackereien des Lebens, weilsie in die eigene Befriedung heimgekehrt ist und nichtmehr mit Fremdem zu thun hat, weil sie aus der Zer-streuung sich gesammelt hat und in dieser Sammlung demtiefen See gleicht, der, weil die Stürme schweigen, einespiegelhelle Oberfläche darbietet. Still! der Morgen nahtund mit ihm die Träume; bald lustige, bald ängstigende,aber in beiden verliert sich jener kindliche Friede desAngesichts, aus dem schönen Garten, wo es nur Blumengab, ist er herausgetreten. Er regt sich und erwacht,und damit zugleich vielleicht — die Bestie. Oder aber,wenn Sie Bedenken tragen sollten, mein schönes Fräulein,an das Lager eines Mannes zu treten, fragen Sie sichselbst, woher es kommt, dafs mancher Sturm, der Abendsdas arme Herz erschütterte, am Morgen verschwundenund selige Ruhe an seine Stelle getreten war? Weil sichdie Seele gesammelt hat, Sammlung aber Seligkeit ist.Oder wie erklären Sie es, was Sie selbst einmal erzählten,dafs eine Rolle, an der Sie sich abends fast krank gelernthatten, ohne dafs Sie sie behalten konnten, am Morgenmit allen Stich Worten Ihnen geläufig war? Hat sich dader Geist nicht in sich selbst orientiert? Und wenn ichnun in diese selige Sammlung, in diese durchsichtige Tiefe,in diese himmlische Innerlichkeit den Vorzug der Frauensetzte, woher dann Ihr Zorn, wenn ich sage, dafs, wo derMensch nach hartem Tagewerk die Seligkeit des Schlafes