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Sechster Brief.
hin, oder wenn man, von sich selber sprechend, eingesteht,man sei nicht alle Tage gleich aufgeweckt. Wer sichim Schlaf mit der Aufsenwelt beschäftigt, der träumt,wer im Wachen ganz in sich versinkt, und bei dem dasBewufstsein der Aufsenwelt darüber verschwindet, derträumt gleichfalls. Ich halte diese Übergänge aus einemGebiet ins andere nur dann für krankhaft, wenn sie sichso stark geltend machen, dafs damit die Natur des Zu-standes, in welchem sie hervortreten, unvereinbar wird.Wenn z. B. Schlafwandeln ein tritt, in welchem gerade dieOrgane, welche im Schlaf ruhen sollten, fungieren, so istdies ein Schlafwachen, d. h. Krankheit; Schreien undSprechen im Schlafe ist ebenfalls nicht als etwas Gesundesanzusehen. Auf der andern Seite, wenn ein Mensch ohneirgend eine Beschäftigung mit einem Objekt (einem Bucheoder einem Gedanken) so in ein dumpfes Brüten verfällt,dafs man ihn anstofsen oder anschreien mufs, um ihnwieder der Aufsenwelt aufzuschliefsen, so ist dies einwaches Schlafen und also krankhaft. Das Gegenbildzum Sprechen im Schlaf würde ich hier in der oft vor-kommenden Erscheinung finden, dafs ein Mensch so wenigsich seines Verhältnisses zur Aufsenwelt bewufst ist, dafser laut für sich spricht, gestikuliert u. s. w. Es hatRigoristen gegeben, die dies schon für anfangende Ver-rücktheit ansehen; konsequenterweise hätten sie jeden,der im Schlafe spricht, als Nachtwandler ansehen müssen.Innerhalb dieser Grenzen aber werden wir die Träumedulden als etwas, was zwar nicht notwendig, aber dochauch nicht krankhaft ist. Wie es nun keinen Menschengeben möchte, der nicht oft in seinem Leben bei wachenAugen „an nichts gedacht“ hätte, ganz ebenso schwerlicheinen, der nie im Schlaf geträumt hätte. Ich gehe nochweiter. Es wird nicht sehr oft Vorkommen, dafs in einerNacht gar nicht geträumt wurde. Selbst da, wo wir uns