166
Siebenter Brief.
eine Anatomie jener drei Kröten oder eine chemischeAnalyse jener drei Goldstücke im Magen. Man halte diesfest, dafs fast jedes Gefühl, auch im Wachen, sogleichobjektiviert wird, dafs fast jeder, anstatt zu sagen: ichfühle einen Stich, zu sagen pflegt: ich fühle eine Nadel,und dafs es eben darum bei den ahnenden Beängstigungengerade so geht, so dafs die ganze Frage diese ist: kommtes vor, dafs herannahende Gefahr sich durch ein unmittel-bares Gefühl früher ankündigt, als sie der Ordnung ge-mäfs auf dem Wege der gewöhnlichen Erfahrung percipiertwird, und kommt es vor, dafs ein unmittelbares Gefühlsicherer leitet, als der verständig berechnende Verstand?Unsere Antwort ist: wo es vorkommt, ist darauf hin zuarbeiten, dafs es auf hört; es für etwas Übernatürlicheshalten, ist ebenso absurd, als wollte man heftige Krämpfe,in welchen der Mensch übermenschliche (sollte eigentlichheifsen: untermenschliche) Muskelkontraktionen zeigt, mitBravorufen begleiten. Auch hier mufs ich übrigens, eheich dieses Dämmerungsleben des Menschen verlasse, einenBlick auf das Nervensystem werfen. Bei Gelegenheit desRapports wies ich auf die voneinander gesonderten Sphä-ren des Ganglien- und des Cerebralsystems hin. Es giebtaber noch eine dritte Art von Nerven, es sind die vomRückenmark ausgehenden Bewegungs- und Empfindungs-nerven, durch welche es teils zu willkürlichen Bewegun-gen und bewufsten Empfindungen kommt, wenn nämlichdie Verbindung mit dem Gehirn ungestört ist, teils aberauch zu unwillkürlichen Bewegungen und unbewufstenoder auch halbbewufsten Empfindungen. Die letzteren,welche hervortreten, wo die normale Verbindung zwischenGehirn und Rückenmark aufgehört hat, sollen nach derAnsicht grofser Physiologen dadurch möglich werden,dafs sich vegetative Nervenfasern ins Mittel legen undso eine gleichsam isolierende Macht zeigen. Diese Er-