Achter Brief.
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beim Tiere beide der Selbsterhaltung des Exemplaresdienen, der Geruch dagegen dem Gehör, wofür sich eineganz analoge Bemerkung machen liefse. Wir brauchenaber nicht in die Tierwelt herabzusteigen, um dies zulinden. Schliefst man nach der alten französischen Regel:dis-moi qui tu Jiantes, et je te dirai qui tu es, aus derWeise, wie sie sich gesellen, auf ihre Natur, so giebt derUmstand, dafs nichts den Appetit so verdirbt wie der An-blick eines schmutzigen Gedeckes oder auch eines häfs-lichen vis- ä-vis, während man sich manchen sehr unästhe-tischen Anblick gefallen läfst, um den Wohlgeruch einerseltenen Blume einzuatmen — ich sage, dieser Umstandgiebt schon einen Wink. Mehr als ein Wink scheint mirdarin zu liegen, dafs der Geruch, ganz ebenso wie dasGehör, so oft eine mystische Gewalt über das Gemützeigt, indem er plötzlich in längst vergangene (nicht nurSituationen, denn das thut das Auge auch, sondern) Ge-mütsstimmungen zurückversetzt, während der Geschmackwie das Gesicht mehr auf die Beschaffenheit der Sachegeht, als auf die eigene Stimmung. Ich glaube daher aus-sprechen zu dürfen, dafs ebenso viel Takt darin liegt, denGenufs des Essens, durch einladendes Aussehen zu er-höhen, wie tiefer Sinn darin, dafs sich zur Kirchenmusikso gern der Weihrauch gesellt. Das Verkennen der natur-gemäfsen Zusammengehörigkeit führt hier zu Verbindungen,die ich Mesalliancen nennen möchte. Zu ihnen rechneich die Tafelmusik, diese barbarischste aller Erfindungen,die zur Erhöhung des Appetits nichts beiträgt, wohl aberdem, der zu sprechen liebt und versteht, den seinigenverdirbt. Man suche hier die natürlichen Bundesgenossen;dem Gaumen dient das Auge, darum schmücke man dieTafel und sorge für glänzende Erleuchtung des Speise-saales ; den Konzertsaal erfülle, wo möglich, aromatischerBlumenduft. Darum habe ich durchaus nichts gegen die