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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
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Achter Brief.

trifft, wie ich gesagt habe, gar nicht das Affiziert-werdendurch die Aufsenwelt. (Höchstens könnte ich zugehen,dafs, wo der Allsinn sehr hervortritt, selbst der Unter,schied von Gemeingefühl, Lehensgefühl und Sinn aufhört.)Ebensowenig kann ich mich mit denen einverstanden er-klären, welche diese Erscheinungen aus einer Steigerungdes fünften Sinnes erklären wollen. Dieser ist, wenn auchder wichtigste von allen, doch immer ein specifischer Sinnwie die vier andern, er kann daher, wenn er noch so ge-steigert ist, nur Kohäsionsveränderungen angeben, undebensowenig wie es möglich war, dafs ein Nachtkleidzur sehenden Netzhaut wurde, ebensowenig die Finger-spitzen. Das wesentliche jener Erscheinungen ist eben,dafs, während im gesunden Zustande die Empfindung inden fünf Sinnen existiert, jetzt an ihre Stelle die E m p f i n -düng überhaupt tritt. Ich brauche wohl nicht beson-ders zu bemerken, dafs hier, wie bei verwandten Er-scheinungen, ich mich noch eher mit denen einverstandenerklären möchte, die hyperkritisch und skeptisch die Faktaverwerfen, als die einen übermenschlichen Zustand in dieserKrankheit sehen. Gesetzt den Fall, jene Fälle seien kon-statiert, so zeigen sie, wie ähnlich der Mensch unter Um-ständen den Mollusken oder geblendeten Fledermäusenwerden kann, nichts mehr und nichts minder.

Die Empfindung war die eine Seite des Lebensprozesses.Zu seiner zweiten hat er das entsprechende Korrelat. Be-stand jene in dem Innerlich- oder Psychisch-machen derleiblichen Affektionen, so wird zweitens zum Leben nötigsein, dafs, was in der Seele sich findet, in die Leiblich-keit eingeführt wird. Gleichsam die Brücke zu dem Über-gange, den ich jetzt machen will, bilden Vorgänge in uns,die wir uns leicht zum Bewufstsein bringen können. ZumSehen gehörte erstlich ein Affiziert-sein der Netzhaut(gleichviel, ob durch einen äufserlichen Reiz oder durch