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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
Seite
229
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Achter Brief.

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als die Schönheit der Töchter ihr Hauptaugenmerk war.Ich wundere mich aber nicht, wenn sie nicht nur sehrschön wurden, sondern jener schöne Gleichmut sich inihnen ausgebildet hat, durch den sie vermocht haben, inden verschiedensten Lagen den Kreis, in den sie getreten,zu beglücken. Wenn ich darum im Einklänge mit denRegeln des guten Tons alles starke Accentuieren, Gestiku-lieren u. s. w. als Beweis mangelnder Herrschaft über sichtadle, so bin ich vor dem Einwand von Ihrer Seite sicher,ich wolle also ein tonloses Hinplappern und die ewiglächelnde Miene unserer Seil- und Ballettänzerinnen;ich bin vor ihm sicher, weil ich weifs, dafs Ihnen dieÜbertreibungen im Konsequenz-ziehen ebenso zuwidersind wie mir, und weil diese ewig lächelnde Miene jagerade ist, was ich verwerfe: eine Grimasse. Dagegenkönnten Sie mir einen wichtigem Einwurf machen: Istnämlich Empfinden und Verleiblichen Leben, so scheintdie Forderung, dafs beides gemäfsigt werde, daraufhinauszugehen, dafs das Leben des Individuums gemin-dert werde. Wer weifs, ob dies nicht wirklich meineAnsicht ist, und ob ich nicht die Bestimmung des Men-schen darein setze, dafs er aufhöre, Individuum zu sein ?Allein diese Frage wird uns später beschäftigen, und ichhabe dieselbe nur erwähnt, um, wenn Sie sie mir vorzu-legen gedenken, zur Geduld zu ermahnen.

Nun aber wende ich mich an Sie, schöne Anklägerin,oder wenn Sie es ganz feierlich haben wollen, Madame leprocureur du Roi! Mein Plaidoyer ist zu Ende und hat,denke ich, keinen der Anklagepunkte übergangen. WasLeib ist und was Seele, das habe ich gesagt. Dafs derGeist nicht sowohl als ein Drittes zu Leib und Seele zubetrachten sei, als vielmehr als das Ganze, welches jenebeiden zu Seiten hat oder zu Erscheinungsformen, dashabe ich so sehr betont, dafs, wenn ich noch etwas