Zivölfter Brief.
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Wir hatten das Ich als Bewufstsein bis zu dem Punktebegleitet, wo der Gegenstand sich ihm, seinem Erklärennämlich, fügen mufste, so dafs wir also an die Grenzeseines Seins als Selbstbewufstsein gekommen waren. Jetzthaben wir dieses in allen seinen verschiedenen Stadien be-trachtet und sind zu dem Resultate gekommen, dafs dasSelbstbewufstsein, indem es sich mit dem Worte „Wir“bezeichnet, sich anerkennend verhält. Eigentlich bestehtalso die Bildung des Ich darin oder, was dasselbe heifst,realisiert das Ich seine Bestimmung, indem es weder wiedas Bewufstsein das Nicht-Ich über sich walten läfst, nochwie das Selbstbewufstsein sich über das Nicht-Ich stolzerhebt, sondern dafs es in dem, was ihm Objekt ist, sei-nesgleichen anei’kennt. Lassen Sie statt des Katheder-mannes den Genfer Poeten sprechen: Weder GalatheensMoi, noch ihr ce n’est plus nioi ist das Letzte, sondernerst da ist das Stück zu Ende, wo sie, den Pygmalionberührend, sagt: encore moi■ Ob aber nicht, sobald andie Stelle des Nicht-Ich ein solches Wieder-Ich getretenist, ob da nicht eigentlich das Ich selbst aufgehört hat,und ob nicht der Seufzer, den Galathee ausstöfst, als sieencore moi sagt, dem noch so jungen und doch schonsterbenden Ich gilt, dies ist eine Frage, die sich jedemaufdrängen mufs, der so, wie ich in einem meiner frühemBriefe, gesagt hat: ohne Ich kein Nicht-Ich, ohne Innen-welt keine Aufsenwelt, was doch gewifs auch umgekehrtwerden mufs. Sie ist noch weniger abzuweisen, wenn wirnoch einmal unsern Blick auf die wichtigste Gymnasial-klasse zurückwerfen, in welcher wir das Selbstbewufstseinsich ausbilden sahen, ich meine jene Sekunda (nach allenSchulmännern die entscheidende Klasse), wo es unter derZucht stand, gehorchte. Wir haben gesehen, dafs derGehorsam es bildete, weil der Gehorsam zur Arbeit brachte,diese aber früher als Hauptförderungsmittel erkannt war.