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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
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385
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Fünfzehnter Brief.

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klar zu machen. Umgekehrt mögen die Verstandes-Menschen nicht gern von dem Gefühls-Menschen etwaswissen, und den Gedächtnis-Menschen geht es nicht besser.Da nun das Wesen der geistigen freien Betrachtung seinsollte, dafs die Intelligenz selbst interessiert war bei dem,was ihren Gegenstand bildete, so wird, wie der Sprach-gebrauch das Wissen des Gedächtnisses geistlos nannte,man auch berechtigt sein, den Verstandes-Menschen demManne von Geist entgegenzustellen, der alles interessantfindet und interessant darzustellen weifs. Allein auch hiermufs man nicht vergessen, worauf ich beim Gedächtnisaufmerksam machte, dafs vieles nicht verdient, dafs wirbei seiner Betrachtung warm werden und dafür ein Interessefassen, ebenso aber auch, dafs das kalte Denken des Ver-standes in der Entäufserung und Entsagung übt, ohnewelche es der Intelligenz nicht möglich sein würde, zuhöherem Fluge sich zu erheben. Welches dieser Flug ist,und inwiefern die Übung des Verstandes zu ihm be-fähigt, das zu betrachten, sei meinem nächsten Briefe auf-behalten, denn ich denke, es ist Zeit, dafs ich diesenschliefse, der länger geworden sein möchte, als irgendeiner, den ich Ihnen bisher geschrieben.

Psychologische Briefe. Siebente Aufl.

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