Sechzehnter Brief.
405
Gedanke, ein Inneres, und erst nachher wird sie als wirk-lich, die Aufsenwelt beherrschend, gewufst: ihr Inhalt istferner das Allgemeine, und erst später bestätigt sich das-selbe im Einzelnen. Eigentlich liegt also in der Theoriewenigstens als Keim ein Gang der Vernunft, der von innennach aufsen, vom Gesetz zur Erscheinung führt, und denwir im Gegensatz gegen das induktive Verfahren das pro-duktive nennen könnten, wenn uns an der Symmetrie desAusdruckes sehr viel läge. Wichtiger als diese ist, dafswir uns des Gegensatzes bewufst werden zwischen diesemVerfahren und dem, welches wir das theoretische nannten.■Statt dafs, wie bei diesem letztem, die Vernunft das Ge-setz (sich selbst) aus den Dingen herausbringt, wird siedagegen jetzt von sich aus das Gesetz in dieselben hinein-tragen-, eben deswegen ist sie aus der Gesetze findendenoder sie beobachtenden Vernunft zur Gesetzegebendengeworden. Wenn dort ihr alleiniges Interesse war, zufinden, was,'als vernünftig, in den Dingen ist, so jetzt,zu sagen, was, als vernünftig, sein soll. Wir wollen dieVernunft, wie sie Gesetze giebt, oder sich mit dem zuthun macht, was sein soll, praktische Vernunft nennen,welche also Forderungen stellt, vorschreibt, während dietheoretische blofs Lehrsätze aufstellen und beweisen konnte;welche zu ihrem Lieblingsgegenstande die Zwecke hat, d.h.das, was, weil es nur sein soll, gleichsam in der Zukunftliegt, während das Lieblingskind der theoretischen Ver-nunft die Gründe sind, welche den Erscheinungen vor-ausgehen, und welche sie zurück- (gleichsam in die Ver-gangenheit) blickend aufsucht. Beide verhalten sich zueinander wie: Wozu soll das? und: Warum ist das? Jeleichter der Gegensatz zwischen beiden Verhaltungsweisenzu entdecken ist, desto näher lag der Gedanke, die Ein-heit der Vernunft so zu retten, dafs man gewisse Gebietevoneinander sonderte, in deren einem die Vernunft nur