Buch 
Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
Entstehung
Seite
XXI
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Vorwort

Daß die Individuen werden und vergehen, wissen wir aus täglicherErfahrung. Mit den Arten dagegen gehen vor unsern Augen keine solchenVeränderungen vor sich; sie sind, so weit die menschliche Geschichte reicht,sich gleich geblieben und scheinen so alt als die Erde selbst zu sein. Diein die Felsen eingeschlossenen Pflanzen und Thiere sagen uns aber, daßdieß in Wahrheit nicht der Fall sei. Sie lassen uns nicht daran zweifeln,daß auch die Arten wie die Individuen in der Zeit auftreten und wiederverschwinden, nur ist ihr Erscheinen und Wiedererlöschen in einen gar vielgrößer» Zeitraum eingeschlossen. Es ist daher das Kleid der Erde einemsteten Wechsel unterworfen, und wie es jetzt vor uns liegt das Resultateiner unendlich langen Entwicklung. Aber die feste Erdrinde, die scheintdoch dem Wechsel der Zeiten zu widerstehen, und wenn wir von unsernBergeshöhen unser herrliches Gebirgsland überschauen, so erscheint es unswie aus Einem Gusse entstanden und ein für die Ewigkeit erbautes Denk-mal der Größe und Allmacht des Schöpfers zu sein! Gar bald bemerkenwir aber an den herabgerollten Felsen, an den Schutthalden und Runsen,welche an den Seiten der Berge herablanfen, daß auch sie dem Gesetze desWerdens und Vergehens unterworfen sind. Wir kurzlebenden Menschenkönnen freilich mit leiblichen Augen nur einen kleinen Kreis dieser immerfortgehenden Veränderungen überschauen. Wir haben aber das Vermögen,unsern Gesichtskreis dermaßen zu erweitern, daß an unserem Geiste das,was vor Jahrtausenden in Natur und Menschenleben vor sich gegangen ist,