18 Das Steinkohlenland der Schweiz .
treues Bild der Kohlenflora im Allgemeinen. Ja noch mehr, wenn wir unsin das Kohlcnland von Amerika versetzen, so treten uns auch da dieselbenPflanzen entgegen. Man kennt gegenwärtig etwa 300 Arten von Stein-kohlenpflanzen aus diesem Welttheile, von denen etwa die Hälfte auch inEuropa sich findet, und die eigenthümlichen Arten sind fast dnrchgehendsnur Wiederholungen europäischer Formen.
Die Erklärung dieser auffallenden Thatsache ist nicht schwer. Die Florabestand ja allerwärts großentheils aus blnthenlosen Gewächsen, welche un-gemein kleine Samen besitzen. Diese werde» gar leicht durch den Wind ver-tragen und entwickeln sich überall, wo sie günstige Lebensbedingungen an-treffen. Es findet ja auch jetzt noch genau dasselbe statt. Die Flechten undMoose, aber auch die Farrn und Schafthalme haben ungemcin große Ver-breitungsbezirke; manche sind fast über die ganze Erde ausgestreut. Wennwir bedenken, daß (nach Ehrcnbergs Ermittelungen) Infusorien und Dia-tomaceen vom Winde aus dem tropischen Amerika nach Deutschland ver-tragen werden, wenn wir sehen, daß die Samen des Weinrebenschimmels(von OiäiuM luclrsri) und des Kartofielpilzes (korsoosporL inksstsris)über ganz Europa und auch die atlantischen und griechischen Inseln durchdie Luft verbreitet wurden, wird es uns keineswegs unglaublich vorkommen,daß die Samen kryptogamischer Gewächse zur Stcinkohlenzeit über ganzeWelttheile ausgestreut wurden und so für die Kohlenpflanzen sehr großeBerbreitungsbezirke erzeugt haben. Die Krvptvgamenflora der amerikanischen Torfmoore ist auch gegenwärtig großentheils aus denselben Arten zusammen-gesetzt, wie die Europa's ; allein ganz anders verhält es sich mit den zuden Blüthenpflanzen gehörenden Sträuchern und Bäumen; diese sind ganzverschieden. Da aber zur Kohlenzeit die Holzgewächse zu den Kryptogamengehörten, erstreckt sich diese Gleichförmigkeit der Vegetation beider Welt-theile, welche jetzt auf die unscheinbarsten Gewächse beschränkt ist, auch ausdie Bäume jener Zeit, denn auch sie hatten mikroskopisch kleine, vom Windleicht vcrtragbare Samen, während die Blüthenpflanzen dnrchgehends garviel größere und schwerere Samen besitzen. Dazu kommt noch, daß der An-siedlnng neuer Pflanzen um so weniger Hindernisse im Wege stehen, jegeringer die Zahl der kvnknrrirenden Pflanzenarten ist, mit denen sie sichin den Boden theilen müssen und je kleiner die Zahl der Thiere, denen siezum Unterhalt angewiesen sind, und auch in dieser Beziehung waren dieVerhältnisse zu Bildung großer Berbreitungsbezirke zur Kohlenzeit gar vielgünstiger als jetzt. — Indessen wäre diese Gleichförmigkeit der Natnrweltnicht entstanden, wenn sie nicht durch klimatische Verhältnisse möglich ge-macht worden wäre. Sie beweist, daß diese damals noch sehr gleichartig