Buch 
Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
Entstehung
Seite
32
JPEG-Download
 

32

Das Steinkohlenland der Schweiz .

znr Zeit der Brannkohlenbildnng und noch weit mehr verschieden zur Stein-kohlcnzcit. Der Kohlenstoff wurde daher damals von ganz anderen Pflanzen-artcn und unter anderen äußeren Bedingungen in die Erde gelegt. Wirhaben oben gesehen, daß die Steinkohlcnflvra ganz und gar von der jetzt-weltlichen abweicht; daß aber der Gesammtckaraktcr derselben auf ein feuchtes,heißes Klima zurückschlicßc» läßt. Eigentliche Torfbildnng finden wir freilichgegenwärtig in der Tropenwelt nicht »nd man hat sie den Ländern außer-halb der kalten und gemäßigten Zone überhaupt abgesprochen; allein mitUnrecht. Moräste mit eigentlicher Torfbildnng von ungeheurer Ausdehnungfinden sich in Süd-Virgiuien und Nord-Carolina, in der Breite vonTunis und Algier .

Ueber die Torfmoore des Südens der Vereinigten Staaten hatuns Lcsquereur interessante Aufschlüsse gegeben, welche zeigen, daß sieganz auf selbe Weise entstanden sind, wie die unseres Landes, unddaß sie trotz deS milden Winters dieser südlichen Gegenden bis 15 Fußmächtige Torflager bilde». Das Fehlen der Torfmoore in eigentlichenTropenländern rührt wahrscheinlich nur daher, daß die zcitcnweise ein-tretende Dürre, welche das völlige Austrocknen der Moräste znr Folge hat,die Torfbildung verhindert; in einem fortwährend nassen und heißen Klimaaber, wie es die Kohlcnflora verlangt, waren auch die Bedingungen znrTorfbildnng gegeben. Bei derselben scheinen die Siegclbänmc lin der Stig-maricnform» eine Hauptrolle gespielt zu haben. Sie breiteten wahrscheinlichihre langen, vielfach verzweigten und dicht mit langen Zasern besetztenWurzeln weit über das Wasser und den weichen Schlamm aus und bildetenauf demselben ähnliche Filze und schwimmende Inseln, wie sie jetzt noch inmanchen Seen der gemäßigten und heißen Zone getroffen werden. Zu ihnengesellten sich wohl die Calamitcn, deren zwerghaftc Vettern aus der Jetzt-welt, die Schasthalme, so häufig i» seichten Wassergraben und in tiefemSchlamm sich ansiedle». Auf sie folgten die Schuppenbänme und baum-artigen Farren, wahrscheinlich erst nachdem eine festere Grundlage gebildetworden. Wir schließen dieß auS der in den Kohlenlagern Enropa's wieAmerika's allgemein vorkommenden Erscheinung, daß die Wurzeln derSiegelbäume (die Stigmaricn) am Grunde der Kohlenflötze liegen undhäufig weit ausgedehnte Lager in denselben bilden. Sie spielten daher inden Seen und Teichen der Kohlenzeit eine ähnliche Rolle wie die Torf-moose (die Sphagncn) in denen der Ictztwclt. Da sie aber gar viel größereGewächse bildeten und ihr Wnrzelwcrk über einen großen Flächcnraum ver-breiten konnten, müssen sie auch eine weit größere Masse von Kohlenstofferzeugt haben. Sie sind daher als Torf- und Kohlenbildner von noch viel