220
Die Zeit der Kreidebildung.
gehören. Diese bilden Bäume und Sträucher mit immergrünen, ledcrartigen,meist scharf gezähnten Blättern und zierlichen, häufig in dichte, großeAehren und Köpfe zusammengestellten Blüthen. Die Oberhaut ihrer Blätterzeichnet sich durch die gruppenweise in Vertiefungen stehenden Poren aus,eine Eigenthümlichkeit, die auch bei den fossilen Arten von Air nachge-wiesen werden konnte. Zu diesen gesellen sich in Aachen und in Sondcn-horft in Westphalen einige Bäume, welche mit Kelch und Krone ver-sehene Blüthen besessen haben und zu den Oleander- und Myrthen-gcwächscn gehören.
Am Harz in Böhmen und Mähren wurden große Blätter (die der Cred-ncrien) entdeckt, welche man mit denen der Coccvloben, andere (EttingS-hausenia), die man mit solchen der Cissus-Sträucher verglichen hat, und zahl-reiche Arten,* welche zur Zeit noch nicht in befriedigender Weise gedeutet wer-den können. Immerhin können wir uns aus den bis jetzt ermittelten Thatsachenein Bild von der Flora verschaffen, welche zur Zeit der obern Kreide unserLand bekleidet hat. Die Ufer unseres Krcidemecres waren wohl noch mit ein-zelnen Sagobäumen, ähnlich denen der Jnrazeit, geschmückt; doch den Cha-rakter der Landschaft bedingen die Nadelhölzer und die immergrünen Laub-bäume, mit ledcrartigen, glänzenden Blättern, Bäume, wie solche jetzt nur diesüdliche Hemisphäre beherbergt. Ihnen waren Fächcrpalmcn und Pandanenbeigemischt und in des Waldes Schatten wucherten zahlreiche Farrnkräuter,welche den Boden mit einem zarten Blattwerk überzogen. Es zeigt die Floraeinen entschieden indisch-australischen Charakter und nähert sich der eoceucn,während die des Wealden den Uebergang zu derjenigen des Jura ver-mittelt. Sie weist unzweifelhaft auf ein viel wärmeres Klima, als es gegen-wärtig Europa besitzt, und stimmt in dieser Beziehung mit der Thierwcltüberein, welche unser Kreidemeer bewohnt hat.