Buch 
Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
Entstehung
Seite
240
JPEG-Download
 

240 Die eoccnen Gebilde der Schweiz .

Von großem Interesse sind die Kalksteine, welche hier nnd da mitden Schiefern nnd Sandsteinen auftreten. Sie haben eine dunkelgraue Farbe,spalten in dünne Platten, deren Oberfläche unter Einwirkung der Lnft einemeist hellgraue Farbe annimmt. Dieselben schließen stellenweise große Massenvon Meerpflanzen sFncoiden) ein und werden daher als Fncoidenschieferbezeichnet. Im Scrnfthal finden wir solche am Panircrpaß beim Seeli, aufder Alp Raunn östlich von Elm auf der Tschingelalp «in den Wändens undnördlich vom Martinsloch.

In der nähern Umgebung der Matterschiefcrbrüche, wie in diesen selbst,sind indessen noch niemals solche Mcerpflanzen gefunden worden, daher wirüber den Zusammenhang dieser Meeresflora mit der Mattcrfanna im Dunkelnbleiben. Wir müssen uns darum nach den Vorkommnissen dieser Fucoidcn-schiefer, wie überhaupt der sämmtlichen vorhin besprochenen Felsarten, inder Schweiz noch näher umsehen, um uns Rechenschaft über das Aussehenunseres Landes zu jener Zeit geben zu können.

Aehnliche Gesteine, welche man unter dem Namen des Flosch*zusammengefaßt hat, finden wir längs des ganzen Nordrandes unserer Alpennnd stellenweise tief in dieselben hineingreifend von Saooien bis in's Vor­ arlberg nnd in die bäurischen Alpen nnd überall zeigen sie uns denselbeneigenthümlichen Eharakter, den wir bei den Bergen des Sernfthales ge-schildert habe». Ucbcrall haben sie mildere Formen als die Kalkberge, ihreGipfel nnd Kämme sind nicht so scharf nnd eckig, ihre Abhänge und Terassensind mit einem blumenreichen Pflanzenteppich bekleidet, aber von verheerendenRunsen gefährdet. Es bieten diese Gegenden daher wohl einen fruchtbaren,aber auch allen Wcchselfällen der wilden Gcbirgsnatnr ausgesetzten Bodendar. Es bilden diese Fluschgebirge ein im Ganzen ziemlich schmales Band,welches der Kreidenzonc folgt, wie ein Blick auf die geologische Karte unszeigt. Sie umgeben die Kalkkette des Mvleson und nehmen von Ormont an einen breiten Streifen bis znm Thnnersee ein, hier die größte Mächtig-keit und Ausbreitung erreichend. Von Lepey bis Mühlcncn an der Kander,auf eine Länge von 1 l nnd eine Breite von 3 Schweizerstunden finden wirdieselben Gcstcinsarten, die stellenweise eine Mächtigkeit von 5000 Fuß er-reichen. Die Niesenkette ist ganz aus diesen auferbant. Vom Thnnersee aus

Flysch , Flyö (verwandt mit fliesen, flinsen) nennt man im Simmcntbal leicht ver-witternde sandige Mergelschiefer, welche Fucoiden (LNonrtrltes ivtricatris) enthalten. DiesenNamen bat Skuder auf alle ähnlichen, verschiedenen Formationen angeliörenden Gesteine ange-wendet, während Escher nur auf die der Nummulitenbildung aufliegenden. 2» Dbigem ver-stehe ich unter Flysch nur die eocenen dunkelfarbigen Schiefer, Kalke und Sandsteine.