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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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Reptilien der eocenen Zeit.

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so setzen sie Festland voraus, welches zur eocenen Zeit über das Gebiet desJura sich verbreitete. Aus zahlreichen Quellen wurden die Mineralbcstand-theile ausgeschieden und in Form von Bohnerz, Quarzsand und Thon inden Klüften und Felshöhlen abgelagert, aber auch durch Bäche weiter ver-breitet. An mehreren Stellen, nämlich am Maurcmont bei Lasarraz, beiSamt Loup, bei Delsberg , bei Egerkingen und Obcrgösgen, hat man inden Bohnerzlagern der Jnraspalten zahlreiche Knochen und Zähne von Wirbel-thieren gefunden. Sie sind meist zerbrochen und bunt durch einander geworfen,daher ohne Zweifel in die Felsspalten zusammen geschwemmt worden. Dochsind sie dabei so wohl erhalten, daß sie offenbar nicht aus großer Fernestammen können.

Es sind an diesen Stellen bis jetzt 61 Thierarten* gefunden worden,nämlich 12 Reptilien und 49 Säugethiere. Die erstem liegen inunvollständigen Resten vor und sind daher schwer zu deuten, doch hat manzwei Schlangenarten, ei» paar Eidechsen von der Größe unserer lebendenArten, einen Leguan, ein Krokodil und mehrere Arten Schildkröten erkannt.Das Krokodil (Or. lIwstinAsirv On.) ist dem ägyptischen ähnlich, nurhat es eine stumpfere Schnauze und bildet in dieser Beziehung einen Ueber-gang zum Kaiman. Die eine der Schlangen hat, »ach den Wirbeln zuschließen, eine Länge von 1011 Fuß gehabt und gehört in die Familieder Riesenschlangen und in die Gruppe der Schling er oder Ab-gottschlangen (Python), welche gegenwärtig die Wälder Ostindiens be-wohnen. Die zweite Art ist zwar viel kleiner, scheint sich aber doch nahean die vorige anzuschließen. Die Schildkröten weichen ganz ab vondenen des Plattenbcrges, die wir früher (S. 235) besprochen haben. Essind dieß Meerschildkrötcn, während die des eocenen Jura zu den S um Pf-und Landschildkröten gehören. Zwei Arten finden in der lebenden Gat-tung Emys ihre nächsten Verwandten, eine bei Tcstudo, während die größte

* Die meisten Arten des Mauremonk wurden von den Herren vr. Eh. Gaudin undDr. Ph. De la Harpe entdeck! und und im Museum zu Lausanne aufgestellt; einige sam-melten Pros. Morlot und vr. Eampichc. Sie wurden von Picket bearbeitet. Bgl. Mrnoircsur leg »niinuux vortöbrss trouvos dsns Ic terrsin sidcroliti^uo du Lnnton ds Vnud,xar Victor, Ob. Ouudiu st VIi. vo Is, Ilnrpc. Die Thiere von Egerkingen wurden vonPfarrer Lartier, die von Gösgen von Cas. Mösch entdeckt und von Pros Nütimeyer bear-beitet. Vgl. eocene Säugethiere auk- dem Gebiete des schweizerischen Jura. Denkschriften derschweiz. naturforsch. Gesellschaft. XIX. 1862. Die von vr. Grevin in der Gegend vonDelsberg entdeckten Knochenrcste sind grosientheils noch nicht bestimmt; ebenso ein reichesMaterial, welches seit der frühern Publikation von vr. Gaudin und De la Harre bei Lalarazgesammelt wurde Es ist daber noch ein beträchtlicher Artzuwachs zu erwarten.

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