Die Gesteinsarten der Molasse.
271
die Alpenzu einfällt, während ein anderer Theil «der Nordschenkel) gegenNorden sich senkt und in die horizontale Lagernng übergeht. Diese Lage-rnngsverhältnissc lassen keinen Zweifel, daß die Molasse jünger ist als dieeoccncn Bildungen der Schweiz . Sie gehört einem Weltalter an, welchesman als das mitte!tertiäre oder m iocene-bezeichnet hat, das dem-nach mit dem der Molassc gleichbedeutend ist.
Die Niederschlägt dieser Zeit sind von sehr beträchtlicher Mächtigkeitund erheben sich jetzt am Rande der Alpen zu ansehnlichen Bergen, vondenen der Speer (602 l Pariscrsnß ü. M.) und der Rigi i 55-l 1 Pariserfnß)besonders hervorzuheben sind. Nach Norden zu erniedrigt sich das Molassen-land, daher das Wasser in den Flüssen und Bächen nach dieser Richtungabfließt nnd breite und tiefe Thäler ausgewaschen hat.
Als die Gestcinsarten, welche die Molasse bilden, haben wir Sand-steine, Mergel, Nagclflnh nnd Kalk zu bezeichnen.
Der Sandstein hat eine graue Farbe und besteht auS Körner» undSplittern von Quarz, auch wohl Feldspath und andern harten Mineralien,welche durch ein Mergelccmcnt zu einer ziemlich gleichförmigen Masse ver-bunden sind. Er tritt in einer Menge von Abänderungen auf, welche durchdas Verhältniß des MergelcemcnteS zu den härtern Mineralien und dermehr oder weniger innigen Verkittung der Massen bedingt werden. Inmanchen Gegenden (so bei Bern , Lnzcrn, am obern Theil des Zürichscc'sund bei Rorschach ) bildet er einen vortrefflichen Baustein, während er inandern (so in der Umgebung Zürichs ) dazu ganz untauglich ist. Aber auchdiese Bausteine zeigen unter sich die auffallendsten Unterschiede; die vonBern sind frisch ganz weich, erhärten aber an der Luft, sind daher leichtzu bearbeiten; die von Bäch (am Südende des Zürichersce's) brechen ingroßen Platten (Bächerplattcn), deren Flächen mit blauem Mergel undglänzenden Glimmerblättchen belegt sind; die von Bollingen dagegen ingroßen Blöcken. Stellenweise kommen in der weichen Molasse große, festeKnauer von verschiedenartigster Form vor, welche oft als Säulen und Kegelaus der verwitterten Masse hervorstehen, so am Irchcl und an der Thür.Eine noch auffallendere Abänderung bildet der Mnschelsandstein, derzum gute» Theil anö zertrümmerten Muschelschalen besteht, die sammt erbsen-großen grünen Körnern durch eine harte Sandsteinmasse verkittet sind Ertritt in vielen Abänderungen auf und ist in der Richtung des Jura vonder Waadt bis an die Lägcrn verbreitet und liefert geschätzte Steine fürBrnnnentröge und Quadersteine, zu deren Gewinnung an vielen Orten großeSteinbrüche geöffnet sind; so in Würenlos, Messingen, Othmarsingen, Lenz burg n. a. O. m.