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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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274
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27-1 Das Melassen land der Schwel;.

Daß diese jurassische Nadelstich der miocencn Zeit angehört, beweisendie Zähne eines Mastodonten «wahrscheinlich des 51. tapiroilles), welcheneuerdings von Herrn Mösch am Bötzberg in derselben entdeckt worden sind.

Während der Kalkstein in den Ablagerungen der Jura- und Kreide-zeit eine so große Rolle spielt, tritt er in der Molassenpcriodc sehr zurückund bildet nur ein sehr untergeordnetes Glied in derselben, Es haben dieBedingungen zur Erzeugung mächtiger Kalkselsen, ein weit verbreitetes, vieleJahrtausende lang fortwirkendes Meer mit seinen Mvriadcn von kleinenWerkmeistern, welche in seinem Schooßc am Aufbau der festen Erdrindegearbeitet haben, gefeblt. Jmmerbin sind aber kleinere Kalklager in derMolasse nicht selten. I» Prnnlrnt kommt ein bald weißer bald braunerMeereskalk vor, der wahrscheinlich zur Tongcrzeit abgelagert wurde. Meistist es aber ein hellfarbiger, öfter mergliger Süßwasserkalk, der an den Ab-hängen der Thäler über ziemlich große Strecken verfolgt werden kann undan manchen Stellen zum Kalkbrennen ausgebeutet wird. Er hat sich wahr-scheinlich in kleinen Seen und Teichen gebildet und gibr uns über derenVerbreitung Auskunft.

In der Molasse findet sich an sehr vielen Stellen Braunkohle undes ist sehr wahrscheinlich, daß sich in den untern und in den obern Lagernein Kohlenflötz über einen beträchtlichen Theil der Sckweiz verbreitet hat.Es ist aber leider nirgends von erheblicher Mächtigkeit. Fast alljährlich hörtman von neuen Stellen, an denen Braunkohlen gefunden wurden, und sehroft von den fruchtlose» Versuchen dieselben auszubeuten, indem sie nur anwenigen Stellen einen lohnenden Ertrag geben oder doch eine Zeit langbenutzt wurden. Als solche haben wir zu nennen: die Gruben an der Pan-deze in der Nähe von Lausanne , die Gruben am Nordabhang des Sonnen-bcrges bei Luzern , vom hohen Rhone » und von der Ruft bei Schännis.die Braunkohlen von Käpfnack bei Horgen , von Elgg nnd von Herberenim Kanton Thnrgan. Von allen diesen Gruben ist Käpfnach die älteste nndzugleich die einzige, welche fortwährend einen nicht unbclrächtlichen Rein-gewinn abgeworfen hat. Sie verdankt dieß weniger der Mächtigkeit desFlötzes, welche im Mittel nur 8.75 Zoll beträgt, als seiner Lage in derNähe des Sce's, den günstigen Lagernngsverhälrnissen, welche die Aus-beutung erleichtern, und der trefflichen technischen Leitung des Herrn Berg-rath C. Stockar-Escher. Im Jahr 18-18 betrug der Absatz dieser Kohlen9383 Zentner, 1819 11,386 Zentner mit einem Reingewinn für die Staats-kasse von 1818 Fr.; im Jahr 1861 aber betrug die Totalförderung an ver-käuflichen Kohlen 126,212 Zentner, welche 6800 Klaftern Nadelholz (L 108Kubikfnß) oder 278,000 Zentner Schieferkohlen, 72,000 Zentner Steinkohlen