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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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431
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Mccrthicre der helvetischen Stufe. ^131

Zur Bestimmung des Charakters der Fauna unseres Mvlasseumeereshaben wir zunächst die lebenden Arten derselben zu berücksichtigen und sieschon früher nach ihrer jetzigen Verbreitung besprochen. Aber auch die ans-gestvrbenen Arten müssen dabei berathen werden. Sie bestätigen das frühergewonnene Resultat, daß unter den Wcichthicren die mittclmeerischen Formendominircn, daß ausschließlich nordische Formen fehlen, dagegen aber zahl-reiche tropische Typen auftreten, welche wir gegenwärtig im Mittclmeer ver-missen, daher im großen (Ganzen unsere miocene Meeresfauna einen süd-lichern Anstrich crbält als die der jetzigen Mittclmeerzone. Wir finden inderselben Gattungen, die jetzt ausschließlich den tropischen Meeren ange-hören, so die prachtvollen Walzenschnecken, die langen, thnrinförmigen Te-rebren, die Ranksten, die Gattungen Oniscia, Pvrula, Ficula, Delphinnlaund Tngonia, oder die doch voraus in denselben zu Hanse sind und nurin einzelnen Arten bis in's Mittelmeer reichen, so die bnntsarbigen Kegel-schnecken, die glänzenden Cvpracen, die Gattungen Mitra , Cassis, Cancel-laria, Pleurotoma, Turritella, Turbo und Tritoninm, und von Muscheln:Tellina, Psammobia, Cvtherea und Chama.

Ueberblicken wir die bis jetzt in unserem Lande gesammelten Formen, sofinden wir unter den st21 Arten von Weichthieren 203 Meer sch necke n(Einschaler) und 228 Meermuscheln (Zweischalcr). Die erster» vertheilensich auf 15 Familien. Die Kopffüßler, welche uns in den frühern Welt-altern so vielfach beschäftigt haben, sind nur in einer einzigen Art (Xau-lilus ^turi) vorhanden und auch diese ist äußerst selten und erst bei Willen-los gesunden worden. Aus der großentheils der heißen Zone angehörendenFamilie der Coniden hat unsere Fauna 17 Arten von Kegelschnecken,die durch ihre glänzenden Schalen sich auszeichnen; zwei Arten (Oonus do-tuloicles und ^llliovancli) sind mit einem indischen Thier (0. üAulinrisI..), eine (0. antelliluvianus CruA.) mit einem der chinesischen Meere (0.OrdiAnz-i), eine aber (L. ventrieosris Lronrr) mit tropische» und mittel-meerischen Formen zunächst verwandt. Von Porzellan sch necken

helvetische Molasse den mittlern und obern marinen Schickten des Wienerbeckcns. In deruntersten (den sogenannten Hornerschichten) machen bei den Meerschnecken die lebenden nur12 bis I5"/g aus. Auf die marinen Schichten folgt im Wienerbecken eine Brackwasserbildung,welche mit unserer Qeningerstuse zusammenfällt; sie gebr in eine Süßwasserbildung über (dieCongerien oder Inzersdor'erschichten), in welcher Zlristoäon lon^ioostris gefunden wurde,wahrend in den Brackwasser- und marinen Schichten )I. tupirolcken und nnxustiäens,welche daher am »ser des Wiencrmeercs geweidet haben, wie an dem des helvetischen Meeres. tLs bat unsere Molasse 138 Meerschnccken, also K8 mit dem Wienerbecken gemeinsam.Noch mehr gemeinsame Arten kommen ohne Zweifel auf die Muscheln.