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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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Das Klima des Molassenlandes.

verwandt find. Diesen Anforderungen entspricht die Natnrwelt der Tertiär-zeit. Sie liegt in einem großen Reichthum von Arten vor uns und stehtder jetztlcbcnden nahe. Lei den Meeresbewohnern steigert sich die Verwandt-schaft bei zahlreichen Arten bis znr völlige» Uebereinstimmung und auch beiden Pflanzen und Thieren des Landes bei vielen Arten bis znr Homologie,d. h. die Annäherung ist eine so große, daß die tertiären Arten sehr wahr-scheinlich als die Urahnen der lebenden zu betrachten sind. Wir sind daherwohl berechtigt, Schlüsse auf dieselben zu bauen, da Wohl Niemand miteinigem Grund behaupten kann, daß dieselben Arten früher unter andernklimatischen Verhältnissen haben leben können als gegenwärtig. Würde essich nur um einzelne Arten handeln, so könnte man vielleicht einwenden,daß diese früher eine größere Lebenszähigkeit gehabt und darum ein kälteresKlima haben ertragen können; aber wo eine ganze reiche Flora und Faunavor uns sich ausbreitet, wie jetzt in unserer Molassc, da fällt dieser Ein-wand weg. Es ist ein ganzer Komplex von Erscheinungen des Pflanzen-und Thierlebens, wie es auf dem Lande und im Wasser sich entfaltet hat,und alles stimmt zusammen und sagt unS, daß unser Molassenland ein vielwärmeres und zwar ein subtropisches Klima gehabt haben müsse. Wir wollendie Hauptmomente, welche zu diesem Schluß führen, noch einzeln besprechen.

Wir haben früher gezeigt <S. 289 u. f.s, daß die Flora der Molasseviel artenreicher war als die unserer Zeit und uns Zahlenverhältnisse weist,wie wir sie gegenwärtig nur in subtropische» Gegenden finden. Ebenso zeigenuns die Insekten, die Reptilien und Säugethiere einen überraschenden Reich-thum an Arten, wie ihn jetzt nur südliche Länder auszuweisen haben undwie er nur da möglich ist, wo eine sehr üppige Vegetation die Erde be-kleidet. Daß diese größere Masseuverhältnisse haben mußte als unsere jetzigeSchweizerflora, sagen uns die vielen Bäume und Sträucher, die unsereMolasscnflvra zusammensetzen und welche an Artenzahl die von Deutschland und der Schweiz zusammengenommen bei weitem übertreffen. Noch wichtigerist aber, daß die Mehrzahl dieser Holzgewächse (zwischen ^ und ^/z derGesammtzahl) immergrünes Laub besessen hat, wie wir dieß aus der leder-artigen Beschaffenheit desselben und aus den ihnen ähnlichsten lebendenArten erschließen können. Es ist dieß ein Verhältniß, wie es nur in derwarmen Zone vorkommt (siehe S. 29-t) und kalte, schneereiche Winter, wiewir sie jetzt in Mitteleuropa haben, gänzlich ausschließt. Ein einziger Winterwie der dießjährige würde diese immergrünen Wälder vertilgt haben.

Dazu stimmt der Gang der Jahreszeiten, über welchen uns Oeningenund die Mergel der Schrotzburg merkwürdige Aufschlüsse gegeben haben.ES sind bekanntlich die Pflanzen in dem immer wiederkehrenden Kreislauf