-l69
in völliger Laubentwicklung gesehen werden. Hier laufen also diese Phasender Entwicklung über einander, weil die Blüthcnzeiten länger dauern undüberhaupt nicht so scharf abgesetzt sind wie in nördlichen Breiten. MancheBaumarlen treiben das ganze Jahr hindurch Blüthen und Früchte und beidenjenigen, die an bestimmte Jahreszeiten sich halten, sind die Uebergängeviel unmerklicher und fließen mehr in einander als in unseren gemäßigtenKlimate». Daß in unserm Molassenlande dasselbe der Fall war, zeigen diezwei Steinplatten mit wohl erhaltenen Weidenblüthen und daneben liegen-den Platauenblätteru, wie eine Platte mit einem weiblichen Blüthenkätzcheneiner Weide (8»lix lästert) und den Blättern des Amberbaumes. Dürfenwir von da aus weiter schließen, daß diese Bäume zu selber Zeit wie jetztihre nahen Verwandten in Madeira geblüht und sich belaubt haben, sowürde diese Zeit auf Ende März fallen. Damit stimmt nun jene Blüthedes Kampherbaumes, welche neben den Weidenblüthen und Platanenblätternliegt, in überraschender Weise übereilt, denn der Kampherbaum blühtin den Gärten Madeira's gerade zu dieser Zeit, wodurch jeneAnnahme einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit erhält.
Zu denselben Resultaten gelangen wir, wenn wir unsere Untersuchungenauf die Pappelblüthen ausdehnen. Die Pyramidenpappel beginnt inFunchal (in Madeira) Ende März zu blühen, ihre Blüthenzeit erreicht alsodie der Platane, während sie bei uns und in Deutschland derselben ummehr als einen Monat vorauseilt. Wir haben aber früher erwähnt, daßauf einer Platte der Schrotzbnrg die männlichen Pappelblüthen neben Pla-taneublättern liegen, die nie vor den Blüthen erscheinen. Wir erfahren aberdurch Lergleichung der auf denselben Steinplatten beisammen liegenden Blät-ter weiter, * daß die Hainbuchen schon zur Blüthenzeit der Weiden und Pap-peln, also schon Ende März belaubt waren, während sie bei uns erst MitteMai ihren Blätterschmuck erhalten und daß zu selber Zeit auch die Amber-bäume, die Ulme und der schmalblättrige Ahorn vollkommen entwickelteBlätter trugen. Kurz wir sehen, daß, ähnlich wie jetzt in der wärmern
* Ausführlicher find diese Verhältnisse besprochen in meiner Arbeit über die Flora unddas Klima des Tertiärlandes S. 59 u. f. Es ist bei diesen Untersuchungen zu berücksichtigen,daß die im Herbst abgefallenen Blätter mancher Bäume (so der Buchen) aus dem Waldbodensich lange Zeit gut erhallen, während andere (so die des Ahorn) bald rerfaulen. Die erster»können daher auch im Frühling leicht verschwemmt werden und es ist dann häufig nichtmöglich, die Frühlings- und Herbstblätter zu unterscheiden. Sind die Blätter aber noch anden Zweigen befestigt, find fie noch nicht völlig ausgewachsen, find sie in Lappen und Zähnegetheilt und diese ausgebreitet und wohl erhalten, so dürfen wir annehmen, daß fie bald nachihrem Abfall eingehüllt worden seien.