Das Klima des M olassenlandeS.
474
Gegenden Europa's «mit einziger Ausnahme von Elche in Spanien ) nurselten seine Früchte. Er bedarf eine mittlere Jahrestemperatur von wenig-stens 20° C., um seine Früchte zur vollen Reife zu bringen.
Diese tropischen Pflanzcntvpcn schließen für unser Mvlafsenland eingemäßigtes Klima und namentlich kalte Winter aus, anderseits aber sagenuns die Pflanze», welche solchen entspreche», die jetzt in der gemäßigtenZone getroffen werden und nicht bis in die Tropenländer hinein reichen,daß damals unser Land kein tropisches Klima gehabt habe. Es fehlen zwarunserer miocenen Flora alle nordischen und alpinen Formen, welche jetzt einso wesentliches Moment im Pflanzenklcid unseres Landes ausmachen, da-gegen treffen wir eine nicht geringe Zahl von Arten, deren nächste Betternjetzt in den Niederungen von Mitteleuropa oder in Nordamerika leben.Die meisten derselben reichen aber bis in die warme Zone hinein; so habenwir den Adlerfarrn in Madeira eben so häufig, wie bei uns, und er wirdauch in Kalifornien und Japan getroffen; die unseren miocenen verwandtenSchafthalmarten reichen bis in den Süden der vereinigten Staaten; ja dasBrachsenkraut «Jsoetes) und das kleine Laichkraut findet sich selbst in Bra-silien und Indien; daS gemeine Schilfrohr (Phragmites) ist auch in Italien ,am Caucasus, in Japan und in Amerika , und der Rohrkolben «Pz-xlls, Isti-toli») in Taimen und anderseits in Süd-Carolina , der Igelkolben (8xar-ASQiunr I-Lmosum) in Persien und Carolina, die Simsen in Madeira undden kanarischen Inseln; der rothe Ahorn reicht bis in den Süden der ver-einigten Staaten, und dieß sind alles Arten, die solchen miocenen Formenentsprechen, die wir als der gemäßigten Zone angehörend betrachtet haben.Bon andern zeigen uns die künstlichen Berbreitungsbczirke, daß sie auchhöhere Temperaturen zu ertragen vermögen, so gedeihen in Madeira diePlatanen und die Pappeln, die Nußbäume und die Bandweiden vortrefflichund im südlichen Spanien sehen wir prächtige Ulmen und Silberpappelnneben den südlichen Zederachbäumen und Phvtolacccn in den Alameden derStädte. Es läßt sich daher das Borkommcn der Pflanzentypen der ge-mäßigten Zone in unserer Molassenflora gar wohl erklären, wenn wir an-nehmen, daß zu jener Zeit unser Land ein ähnliches Klima wie Madeira gehabt habe. Es kommt dabei überdieß noch in Betracht, daß die Pflanzender gemäßigten Zone von höheren Temperaturen viel weniger leiden alsdie warmer Länder von der Kälte. Es ist wohl häufiger die große Tröcknißwährend der heißen Jahreszeit als zu große Hitze, welche ihrer Berbreitnngnach Süden Grenzen setzt.
Die Bereinigung von Pflanzentypen der tropischen und der gemäßigtenZone in unserer miocenen Flora hat daher nichts Auffallendes, da wir