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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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Die Gletfcherzeit.

sie als geschichtetes Diluvium, auch wohl als älteres Alluviumbezeichnet. Es besteht dieses aus mehr oder weniger abgerollten Geschieben,welche meistens die Große einer Walluuß bis einer Faust haben und, zu-weilen mit Sandstreisen wechselnd, in mehr oder weniger wagrechten Lagernbeisammen liegen. Die Gcsteinsarten, aus welchen die meisten Gerölle gebildetsind, finden wir nicht in der ebnern Schweiz anstehend, Wohl aber in denzunächst liegenden Theilen der Alpen . Im Kanton Zürich enthalten die Kies-gruben eine Masse rother Gerölle, welche aus dem Scrnifit der Glarneralpcnbestehen, ferner Kalkgeschicbe, welche den verschiedenen Kalksormationen unsererHochgebirge entsprechen. In der Umgebung des Bodensec's und des Rheines,so bei Dießenhosen, Stein u. s. w., finden wir überall mächtige Gcröllbänke,die ihr Material aus den Thälern des Rheines erhalten haben. Die Ebenezwischen Thun und Thierachern und bis an das User des See's ist vonSand- und Gcröllmassen bedeckt, welche aus den benachbarten Alpen stam-men, an den Usern des Gcnsersee's aber begegnen uns Schuttbänke, derenMaterial aus dem Wallis gekommen ist. Dieselbe Erscheinung zeigt unsder Südabhang der Alpen, wo auch im Süden der großen Seen mächtigeSand- und Geröllbänke bis in die Ebene hinauSreichen.

Diese geschichteten Geröllbänke sehen den von unseren Gebirgsbächcnabgelagerten Schuttmasscn so ähnlich, daß sie wohl ohne Zweifel auf ähn-liche Weise abgelagert worden sind.

Bon denselben haben wir die un geschichteten Schuttmassen zuunterscheiden, welche man als erratische Bildung (Erraticnm) bezeichnethat. Sie besteht aus nngeschichteten Massen von Sand und Steinen oderauch nur aus vereinzelt da liegenden Felsblöcken von allen Größen. Wosie massenhaft beisammen liegen, sind große und kleine Felsftücke ohne alleOrdnung zusammengehäuft; die einen sind gerundet, andere aber mit scharfenEcken und Kanten versehen und nicht selten von geraden, bald parallelen,bald aber in verschiedener Richtung sich durchkreuzenden Streifen oder Kritzendurchzogen. Während das geschichtete Diluvium gleichförmig über dieThalgründe ausgebreitet ist und nur da, wo es von Bächen und Flüssendurchfurcht wurde, diesen steile Abfälle zukehrt, bildet das unge schichtetemeist mehr oder weniger scharf aus der Umgebung hervortretende Hngelzüge.Es folgen dieselben öfter den Thalabhängen und laufen mit ihnen parallel,oder sie ziehen auch in Form eines halbmondförmigen Walles guer durchdie Thäler. Es sind die auffallendsten dieser Wälle, deren Nachweis wirvornehmlich dem Herrn A. Escher von der Linth zu verdanken haben, aufder geologischen Uebersichtskarte eingetragen worden. Wir sehen zwei solcheWälle in der Gegend von Bern , den einen bei Muri eine Stunde südlich