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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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Die Gletscherzeit.

in einer Höhe zwischen 1000 und 2300 Meter. Der untere Grindelwald-gletscher reicht aber sogar bis 1039 Meter ü. M. hinab. Das untere Endeder Gletscher befindet sich daher in vielen Fällen i» der Region der Getreide-felder und der Obstbäuine und muß hier vom Frühling bis zum Herbstdurch Abschmelzen verkleinert werden. Er müßte immer weiter zurückge-drängt werden, wenn nicht durch fortwährendes Nachrücken der Gletscher-masse ein Ersatz einträte. Die ungeheuren Schneemassen, welche in denFirnmeeren unserer unwirthlichen Hochgebirge abgelagert werden, werdenfortwährend den tiefern Regionen zugeführt und in Wasser verwandelt.Sie geben den Bächen den Ursprung, welche dem Saum dieses Gletscher-mantels entfließend dem Flachlande zueilen. Zahlreiche Beobachtungen habenergeben, daß dieses Vorrücken der Gletscher während des ganzen Jahresstattfindet, obwohl es im Frühling und Anfang Sommer viel bedeutenderist als im Winter, daß aber die Masse des Eises und die Neigung desUntergrundes einen großen Einfluß darauf ausüben, so daß die absoluteGröße der Bewegung jedem Gletscher eigenthümlich ist. Das Eismeer desMontblanc ist nach Fvrbcs im Mittel vom Jahr 1788 1832 jährlich114 Meter vorgerückt; auf dem Unteraargletscher hat nach Agassi; dasJahresmittel in den Jahren von 1841 bis 18-16 zwischen 52 und 71 Metergeschwankt; im obern Theil dcS Aargletschers fand, vom Fuß des Abschwungesan, von 1827 bis 1840 ein Vorrücken von 1428 Meter, also jährlich etwa109 Meter statt. So starr und fest die EiSmasse des Gletschers aussieht,ist sie doch in einer stetigen, wenn auch scbr langsamen Bewegung begriffen,und wir haben sie mit einem Strom zu vergleichen, welcher dem Gesetzder Schwere folgend sehr allmählig dem Tieflande zufließt. Auf diese Weisegelangen die Schneemassen, welche während des größten Theils des Jahresin den abgelegenen Firnwüsten erzeugt werden, allmählig in den Bereichder sie wieder auflösenden wärmeren Regionen hinab. Mit ihnen werdenaber auch alle fremden Körper, welche auf dem Gletscherrücken abgelagertwerden, fortgeschoben. Unsere Berge sind einer zwar langsamen, aber un-aufhaltsam fortschreitenden Verwitterung und Zerstörung ausgesetzt. Auchbei den festesten Felsen werden allmählig durch Luft und Wasser einzelneStoffe aufgelöst, es bilden sich kleine Poren und Spalten, in welche dasWasser eindringt, das bei den häufig wiederkehrenden Frösten durch seineunwiderstehliche Ausdehnung das Gestein zersprengt. Heftige Stürme undströmende Regen bringen die loser gewordenen Trümmer in Bewegung,welche dann wieder andere mit sich fortreißend der Tiefe zustürzen. In derRegion der Firnmeere ist die Verwitterung geringer, weil ein ununter-brochener Schneemantel über alles Land ausgebreitet ist, um so größer dagegen