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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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Die Gletscherzeit.

Pflanzen, welche voraus den Alpen oder dem hohen Norden angehöre» ",und in noch auffallenderer Weise tritt dies in den Torfmooren Bayerns auf.

Da diese Alpenkolonieen nicht im Bereich der aus den Alpen kommendenFlüsse liegen, sind sie nicht durch diese in die ebnere Schweiz hinabgekommen.Eben so wenig sind ihre Samen durch die Luft dahin gebracht worden,denn bei?/, der Alpenkolonisten der Zürcher -Flora haben wir weder anFrüchten noch Samen Flügel oder überhaupt Vorrichtungen, welche sie zumLufttransporte geeignet gemacht hätten* **. Dazu kommt, daß die Verbreitungdieser Alpenpflanzen in Beziehung zur Verbreitung der alpinen, erratischenGesteine steht. Am Uetliberg finden wir das Alpenleinkrant und dasFleischer'sche Weidenröschen in Gesellschaft gerade wie auf den Endmoränenund Gletscherböden unserer Alpen, wie denn auch am Albis, am Bachtelund der Lägeru die aus dem Hochgebirg stammenden Felsmassen bis zuderselben Höhe vorkommen, in der wir die Alpenpflanzen finden. Sehr be-lehrend ist in dieser Beziehung das Verhalten unserer beiden Alpenrosen.Die Art mit den gewimperten Blättern (das RüodoeWndi-ou bir-utuin I..!hält sich vorherrschend an die Kalkberge und nimmt eine tiefere Zone einals die rostblättrige Art (Rll. lsri-uAinsuin I^.s. Man tollte daher im Juradie erstere und nicht die letztere erwarten. Nun kommt aber nur diese imJura vor*** und das ist gerade die Art, welche überall in den Gcbirgs-stöcken zwischen dem Simplon und St. Bernhard, welche, wie wir frühergesehen haben, das Blockmaterial für den Jura geliefert haben, zu Hauseist, während das Rllododendron kirsutum dort fehlt. Da diese Alpenrosenart

* Als Alpenpflanzen find zu nennen: der Schnittlauch, die Suinpfbeere CVLLcllliuinulixinosuin), das Alpenwollgras (Lrioxlioruin ulpiuuin) und das Lsäum villosum; alsnerdi>che Pflanzen: Larex adordorrdira und die Lcbeuebreria. Die Laxikrsxa oz>i>oüiti-kotis. D., welche bei Staad , unweit Konstanz , in großen Rasen vorkommt, gehört auch zuden Pflanzen der arktischen Flora, welche in unseren Alpen heimisch geworden find.

** Aus den Findlingen des Tieflandes finden wir nicht wenige Krvrtogamcn der Alpen,namentlich Flechten iso nach vr. Hepp die Dsoiäea badio-atia, spuria, äiseolor, mieropsis,äi8z>or», atro-albs, saxstilis, Teoanora baäla); von diesen können aber die kleinenSporen leicht durch den Wind vertragen werden, daher wir bei derartigen Untersuchungendie Kryptogamen nicht mit den Blüthenpflanzen vermengen dürfen. Immerhin ist es beachlens-werth, daß auf dem Pflugstein von Erlcnbach ein alpines und nordisches Farrnkrauti^szilenium sextentrionals) vorkommt, das sonst im ganzen Kanton sich nirgends findet.

Die Angabe, daß das kli. liirsutum im Jura wachse, beruht auf einem Irrthum.Die von einem Herrn Lamon in einer Sennerei am Chasseral gesehenen blühenden Zweigerühren wahrscheinlich von Stöcken ber, welche aus den Alpen dabin verpflanzt worden find,vgl. 6oclet tlors äu durer S. 447. In den dem Jura gegenüber liegenden Beiner Alpen(der Stoekhornkelte» ist das RW dlrsutuin häufig.