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Allgemeine Betrachtungen.
die Sommertemperaturen der nördlichen Hemisphäre und namentlich Islandserhöht, die Wintertemperatur dagegen erniedrigt haben und die höhereTemperatur von Grönland und Nordamerika bleibt auch bei dieser Annahmeunerklärt. Wir müssen daher gestehen, daß wir auch durch Annahme derAtlantis nicht im Stande sind, die früher für das Tertiärland gefundenenWärmeverhältnisse allein durch andere Vertheiluug von Land und Meer inbefriedigender Weise zu erklären. Es müssen daher Wohl noch andere Wärme-quellen vorhanden gewesen sein und zwar solche von mehr allgemein wirkenderNatur, woraus namentlich die sehr merkwürdige Thatsache hinweist, daßdie tertiären Isothermen an den Nordwestküste» Amerika's (von wo ausBancouver miocene Fächerpalmen und Lorbeerbäume bekannt sind), in Island und in Europa fast um gleich viel Grade nördlicher liegen als jetzt, also dietertiären und jetzigen Isothermen unter sich, wenigstens an diesen Stellen,parallel zu laufen scheinen. Als solche Wärmequellen können gedacht werden:erstens die höhere Erdtemperatnr, zweitens eine höhere Intensität derSonnenstrahlung und drittens, daß das Sonnensystem zu einer Zeit durcheinen wärmern Weltraum gegangen sei. Da die früher besprochenen geo-logischen Erscheinungen eine höhere Erdtemperatur zu fordern scheinen, hatman sie zunächst in Anspruch genommen und leitet das heißere Klima derältern Erdperioden und die gleichmäßiger vertheilte Wärme vom Einflußder innern Erdwärmc her, doch ist es zur Zeit nicht möglich, anzugeben,welchen Antheil wir diesem, welchen aber der nachweisbar andern Kon-figuration des Festlandes zuzuschreiben haben.
Wir haben früher gesehen (S. 476), daß schon während der miocenenZeit eine etwelche Abnahme der Temperatur eingetreten sein muß; diesesetzte sich in der pliocenen fort, wie die Aenderung in der Thierwelt desMeeres «S. 505) dieß uns unverkennbar zeigt. Zu Ende derselben mag sieder jetzigen gleich gewesen sein. Sie sinkt dann in der diluvialen Periodeum mehrere Grade unter das Mittel der jetzigen Zeit hinab und hält sichso während vielen Jahrtausenden. Zwar hatte sie sich zur Zeit der Schiefer-kohlenbildung gehoben, fiel aber aufs Neue, um dann wieder zu steigenund die Höhe zu erreichen, welche dann, so weit die menschliche Geschichtereicht, sich gleich geblieben ist.
Zur Erklärung dieser so auffallenden Thatsache haben wir besondersfolgende Momente iu's Auge zu fassen.
Für's Erste haben wir zu berücksichtigen, daß zur Diluvialzeit derNorden Deutschlands , ebenso aber auch zeilenweise ein Theil von Skandi navien und Nordrußland unter Wasser kamen. Das Eismeer brach überdas frühere Land ein und setzte sich mit der an die Stelle des Bernstein -