Buch 
Die Bereitung und Verarbeitung des Stahls : ein unentbehrliches Handbuch für Eisen- und Stahlbeiter jedes Faches / nach dem englischen Werke des Ingenieurs Overmann deutsch bearbeitet von Carl Hartmann
Entstehung
Seite
112
JPEG-Download
 

112

und sich in Formen gießen zu lasten. Es scheint, daß es in die-sem Zustande nur noch eines geringen Zusatzes von Kohle bedürfe,um den Stahl in Roheisen umzuändern, sowie es nur einer ge-ringen Verminderung des Kohlegehaltes oder auch nur einer an-dern Verthcilung der Kohle bedürfen würde, um einen solchenunschweißbaren Stahl schweißbar zu machen.

Zu allen Stahlarbeiten, bei welchen Stahl mit Stabeiscnzusammengeschweißt werden muß, ist der nicht schweißbare Stahlunanwcndbar. Degegcn ist er zu solchen Arbeiten, bei denengroße Härte, eine bedeutende Festigkeit und schöne Politur einHaupterfordcrniß sind, ganz vorzüglich anwendbar. Indeß erfor-dert er die größte Sorgfalt und eine genaue Kenntniß beim Wär-men und Ausschmiedcn, weil er in einer zu hohen Hitze zerfährtund sich bei einer zu geringen Hitze nicht verarbeiten läßt, son-dern spröde bleibt.

Es ist merkwürdig, daß der Ccmentstahl, aus welchem einunschweißbarer, oder doch ein sehr schwer schweißbarer Gnßstahldurch Umschmclzen erhalten wird, sich oft sehr leicht, immer aberviel leichter als der Gußstahl, schweißen läßt, da doch bei demGußstahle eine größere Schweißbarkeit erwartet werden könnte,in so fern er möglicherweise durch das Umschmelzcn etwas Kohleerhalten hätte. Die Ursache ist unbezweifelt in der ungleicharti-gen Beschaffenheit des Cementstahls zu suchen, welcher immeraus härterem und weniger hartem Stahle besteht, so daß der letz-tere die Schweißbarkeit befördert. Dies verschiedene Verhal-ten des Gnßstahls von dem Ccmentstahl, aus welchem er entstan-den ist, wird noch durch eine andere, nicht minder merkwürdigeErscheinung erklärt, daß nämlich die Schweißbarkeit des Guß-stahls bedeutend größer wird, wenn der Stahl einer beträchtlichenGlühhitze lange Zeit und anhaltend ausgesetzt wird und dannlangsam erkaltet. Derselbe Gnßstahl, welcher, in eisernen Guß-formen ausgegasten, höchst schwer zu behandeln ist, läßt sich vielleichter schmieden und hat an Schweißbarkeit schon gewonnen,wenn man ihn, ohne allen Luftzutritt, lange und anhaltend glüht.Um die Luft von den verschlossenen Gefäßen, worin das Glühen