Buch 
Die Bereitung und Verarbeitung des Stahls : ein unentbehrliches Handbuch für Eisen- und Stahlbeiter jedes Faches / nach dem englischen Werke des Ingenieurs Overmann deutsch bearbeitet von Carl Hartmann
Entstehung
Seite
187
JPEG-Download
 

bis zum vollen Erkalten des Stahles. Tritt hier die geringsteUngleichförmigkeit beim Hämmern ein, so entstehen wahrenddes Härtens gewiß Härterisse.

Ist der Stahl endlich sogar gehärtet, so ist die Cohäsionder einzelnen kleinsten Stahltheilchen so groß geworden, daßsie sich durch die Wirkung des Hammers aus ihrer Lage nurmehr auf unendlich kleine Entfernungen verrücken lassen, daßalso durch einen Schlag, welcher die Stahltheilchen über dieseVcrrücknngsgrenze führt, die attractivcn Kräfte der einzelnenTheilchen auf einander nicht mehr wirken können, und das Ge-fügc des Stahles locker over gar zerrissen wird, was vorzüg-lich an den Grenzen geschehen muß, wo der vom Hammerstreichverdichtete kalte Stahl mit dem vom Hammer nicht berührtenzusammenhängt.

Die Verdichtung entsteht immer bei einer Masse von etwasbeträchtlicher Größe gegen die Oberfläche zu, und erstreckt sichselten in die Tiefe. Aus dem eben Gesagten läßt sich einsehen,daß, je feiner und dichter der Stahl ist, desto weniger er kaltesHämmern vertrage, und daß er sich eben desto brüchiger unterdem Hammer verhalten müsse. Je mehr aber ein Stahl sichdem Eisen nähert, desto leichter verträgt er kaltes Hämmern.

Durch vorsichtiges Hämmern jedoch, wobei die verschie-bende Kraft so gemäßigt wird, daß sie die Verrücknngsgrenzeder kleinsten Stahltheilchen nicht überschreitet, läßt sich auch derkalte und sogar der gehärtete Stahl verdichten. Ein Stahl,dessen Dichtigkeit ungeschmiedet 7,698 war, erhält durch Häm-mern eine Dichtigkeit von 7,767, und durch kaltes Hämmerneine Dichtigkeit von 7,87.

Das Kalthämmern eines Stahlstückes wird oft angewendet:

1) Im ungehärteten Zustande desselben, um ein Stahl-stück durch das Hämmern zu verdichten und ihm mehr Härte,Steifigkeit und Elasticität zu ertheilen.

2) Im ungehärteten Zustande desselben, um ihm auch daden höchsten Grad von Dichtigkeit, Festigkeit und Zähe zu geben,die der Stahl durch bloßes Härten und Anlassen nie erhält,