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Nur mittelst des Mikroskops erkennt man noch das darun-terliegende Korn des Stahles.
Diese sogenannten Anlauffarben, durch steigende Oxy-dation erzeugt, entsprechen bestimmten Hitzegraden, und deßhalbhat sie die Praxis seit langer Zeit als Mittel benutzt, dieje-nigen Tempcraturgrade zu treffen, bei welchen Stahl, der be-reits seine größte Tcnacitat und Festigkeit erhalten hat, nachdem Erhitzen wieder in's Wasser getaucht werden muß, umihm die für den bestimmten Zweck verlangte Härte und Ela-sticität mitzutheilen. Erhitzt man feinkörnigen Stahl mit blankerOberfläche bis zu 221" des hunderttheiligen Thermometers,so wird er hellgelb, st roh- oder Hafergelb; beim Schmelz-punkte des Zinnes 228°, dnnkelgelb bei 235°, karmoisinroth,pnrpurroth, taubenhalsgelb, violett zwischen 249 und 280°,dunkelblau bei 200", beim Schmelzen des Bleies, 334°, was-serfarbig, des Zinkes, 360°, wiederum hellgelb.
Hierauf wiederholen sich alle übrigen Farben in derselbenOrdnung, sind aber viel schwächer, bis endlich bei etwa 500°der Stahl zu glühen anfängt.
Es ist hierbei jedoch stets zu beobachten, daß der Stahl,der diese Anlauffarben zeigen soll, um daraus seinen Hitzgradzu beurtheilen, immer unter den nämlichen Verhältnissen be-handelt, d. h. immer in der Flamme gehalten werden muß,bis die verlangte Farbe erscheint. Die Oxydation auf derOberfläche, wenn einmal eingeleitet, setzt sich bei ungehindertemLuftzutritte ohne Unterbrechung fort, und die Oxyvschicht nimmtso lange an Dicke zu, bis die Temperatur so weit gesunken ist,daß die Verbindung des Sauerstoffes mit dem Stahle nichtmehr im Trocknen vor sich gehen kann. Eine solche Anlauf-farbe, die sich durch den Einfluß der Lust, und nicht direktdurch die mitgetheilte Hitze selbst erzeugt hat, steht in keinemvcrhältnißmäßigen Zusammenhange mit dem Härtegrade desStahles, den man durch die Farbe hervorzubringen gedenkt.Erhitzt man z. B. zwei gehärtete und minder blank polirteStahlstücke im Feuer, bis beide gelb geworden sind, nimmt