272
Die größte Sorgfalt und Kunstfertigkeit erfordert die Ver-fertigung guter Rasirmesser. Es kommt bei denselben aufvorzüglich gute Beschaffenheit des Stahls, auf eine angemesseneHärtung und auf die Feinheit der Schneide an. Das Schmie-den der Klingen wird wie jenes der Tischmefser oft von zweiArbeitern verrichtet; eS muß bei schwacher Rcthglühhitze gesche-hen, damit der Stahl nicht im mindesten verbrenne; in einerHitze muß die Klinge ausgestreckt und abgehauen, in der zwei-ten muß sie vollendet werden: mehr als diese zwei Hitzen wen-den viele Arbeiter nicht an. Dagegen befolgen Andere das Ver-fahren, den Stahl so schwach zu erhitzen, daß bis zum gänz-lichen Fertigschmicden einer Klinge 10 und selbst 12 Hitzenerforderlich werden. Der Amboß deS Rasirmesserschmiedcs ist zan den Seiten ein wenig abgerundet, wodurch es leichter fällt,die Schneide der Klingen dünn auszuschmiedcn und den Flä-chen schon einige Höhlung zu gebe», was zu nngemciner Zcit-ersparniß beim Schleifen gereicht. Das Hämmern wird in derletzten Hitze bis zur völligen Abkühlung fortgesetzt, wodurch derStahl eine ausgezeichnete und der Schneide sehr günstige Dich-tigkeit gewinnt. Man befreit hierauf die Klingen, erhitzt siebis zum kirschrothcn Glühen, und härtet sie in reinem odermit wenig Schwefelsaure und Salmiak versetztem Wasser, wo-bei man sie mit dem Rücken voraus eintaucht, um der Ent-stehung von Härterissen an der Schneide vorzubeugen, und biszum gänzlichen Erkalten im Wasser bewegt. Das Ende derKlinge, welches zur Befestigung in der Schale dient (der Ta-lon oder Druck), wird nicht gehärtet. Beim Erhitze» legtman die Klinge so auf das Feuer, daß die Schneide nachoben steht. Man hat besondere Vorrichtungen erdacht, um diezum Härten erforderliche Hitzung auf das zweckmäßigste vorzu-nehmen. — Die zum Anlassen der Rasirmesser geeigneteFarbe ist die gelbe in ihren verschiedenen Abstufungen, derenAuswahl sich nach der durch Erfahrung bekannten Beschaffen-heit deS Stahls richtet. Am besten scheint es zu sein, denRücken in einer geschmolzenen Mischung aus Zinn und Blei,