XII
Dedilcations-Epistel.
Publikum in möglichst mildem Lichte betrachtet werde.Dies wäre eine Gelegenheit, jene Übersetzungskunst zuzeigen, welche ich von Ihnen in Anspruch nahm. EinTeil der Recensionen, welche ich gelesen habe, wurdemir durch Ihre Vermittelung zugesandt. Es waren,Ihrem diskreten und gütigen Sinn gemäfs, nur freund-liche, einige viel freundlicher als ich erwartet und ver-dient hatte, und für die ich hier den Verfassern be-schämt meinen Dank ausspreche. Dafs gerade diese amwenigsten zu Änderungen Fingerzeige gaben, liegt inder Natur der Sache, dazu waren sie gegen das Ge-leistete zu nachsichtig. Anders verhielt sich’s nun frei-lich mit denen, welche Sie mir nicht zusenden liefsen,und von denen, irre ich nicht, Sie manche gern meinenAugen entzogen hätten, die ich aber ebenso aufmerksam,vielleicht noch aufmerksamer, gelesen habe als jene.Hier fand ich der Winke genug, ja zu viel, um sie be-folgen zu können. Je mehr ich der Beurteilungen las,desto öfter wiederholte sich eine Erfahrung, die ichgleich nach dem Erscheinen der Briefe an zwei liebenFreunden gemacht hatte. Im Laufe eines und des-selben Tages hörte ich von dem Einen: Der Ton unddie Behandlungsweise sei zu sehr der blofser Konver-sation, ja er sei kokett zu nennen, und wenn je eineneue Auflage nötig werde, müsse durchaus die Leserinund alle Rücksichtnahme auf sie verschwinden; währendder Andere mich tadelte, dafs ich nicht Briefe, sondernAbhandlungen geschrieben habe, welchen die Überschrift„Bester Freund!“ vorgesetzt sei. Werden Sie mir’sverdenken, wenn ich an den Müller in La FontainesFabel dachte, der seinen Esel an den Mann bringen,unterwegs aber alle Welt befriedigen will, bis es ihmendlich klar wird:
est bien fern du cerveau
Qui pretend contenter tout le monde et son pere
Wie der freundschaftliche Bat, den jene beiden mir hin-sichtlich des Tones der Briefe gaben, gerade so verhieltensich die Ausstellungen, die verschiedene Recensenten wegenihres Inhalts an denselben machten. Fürchten Sie nicht,dafs ich das ganze Register meiner Sünden hier auftische,