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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
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Erster Brief.

philosophischen Untersuchungen untrennbar von mir be-hauptet worden sei, aber Sie sagen zugleich, dafs geradedie Art, wie ich dies durchgeführt, Ihnen die erste Ver-anlassung gewesen sei, mir einen solchen Vorschlag zumachen. Wissen Sie wohl, Verehrtester, dafs es beinaheaussieht, als wollten Sie mir eine Falle legen, indem Siemich zu einem Schritt verleiten, in dem ich notwendigverlieren mufs? Gehe ich nämlich auf Ihre Zumutungein und mache den Versuch und (wie es wahrscheinlich ist)er verunglückt, so mache ich mit meiner UnterhaltungsgabeFiasko bei Ihnen und, was schlimmer ist, bei Ihrer Mit-leserin; sollte aber wider Erwarten der Versuch gelingen,so habe ich Fiasko gemacht mit der Behauptung, dafsdergleichen sich nicht im leichten Unterhaltungstone ab-handeln lasse. Ich bin also ganz in der Lage jener Frau,deren Schilderung in den logischen Lehrstunden mich alsKnaben so beunruhigte, die ihr Kind von einem Krokodilnur wieder haben sollte, wenn sie einen richtigen Satz aus-gesprochen hätte, und welcher nun, als sie gesagt hatte:Du wirst mir das Kind nicht wiedergeben, vom Krokodilgeantwortet ward:Jetzt mufs ich das Kind jedenfallsbehalten, denn wollte ich es dir wiedergeben, so hättestdu gelogen und ich müfste es nach unserm' Abkommenbehalten. Allein gerade die Erinnerung an jenes Ge-schichtchen und an den bei seiner Betrachtung ange-wandten Knabenscharfsinn machte mich Ihrem Vorschlägegeneigter, als ich es anfänglich war. Wie nämlich jeneFrau dem Krokodil antworten konnte:Jetzt mufs ichvielmehr mein Kind auf jeden Fall wieder bekommen, dennselbst wenn du es behalten wolltest, wärest du, da ich dieWahrheit gesagt, durch unsern Vertrag genötigt, es mirwieder zu geben, so flüstert mir eine Stimme zu: dukannst bei dem Versuche nur gewinnen, denn glückt er, sohast du mit ihm Glück gemacht; verunglückt er, so hast