Erster Brief,
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du mit deiner früheren Behauptung recht behalten und bistalso im Beweisen deiner Thesis Sieger geblieben. Ich unter-suche nicht, ob es die Stimme der Eitelkeit oder irgendeines andern bösen Dämons ist, genug, ich folge ihr undwill den Versuch machen, den Sie von mir fordern. Nurzweierlei lassen Sie mich hinzufügen, eine Beschränkungund eine Bedingung. Die Beschränkung ist, dafs ich blofsals Psycholog sprechen werde. Da mir nämlich Psychologieder Teil des ganzen Systems ist, welcher der Ethik undReligionsphilosophie vorausgeht, so darf der Psycholog nachmeiner Ansicht ebensowenig Sätze aus jenen Wissen-schaften in die seinige hereinnehmen, wie der Geometer,wenn er von Linien handelt, die Lehre von den Flächenvoraussetzen, oder wer einem Knaben die Rudimente desLatein beibringen will, sich auf die griechische Syntaxberufen darf. Fragen über das Verhältnis des Menschenzu Gott gehören nicht in unsere Wissenschaft, welche, weilsie die Lehre von Gott noch vor sich hat, nur den „natür-lichen“ Menschen betrachtet, der ja vom Worte Gottesnichts vernimmt. Wie, wenn ich mich anheischig gemachthätte, über Newtons Verdienste in der Mathematik zuschreiben, ich gewifs davon dispensiert wäre, seine An-sichten über die Weissagungen des Daniel darzustellen,so werde ich mich hier darauf beschränken: zu zeigen,was vom Geiste gilt, soweit von allem Ethischen undReligiösen abstrahiert wird. Dies die Beschränkung.Jetzt zur Bedingung: erlauben Sie mir, wenigstens beiden schwierigeren Punkten, nicht sowohl die Forschunganzustellen, als vielmehr das Erforschte darzustellen.Lassen Sie mich, wenigstens mitunter, wie der verfahren,welcher anstatt des trocknen und Übung in geometrischerBetrachtung erfordernden Weges, wo aus der Natur desKreises abgeleitet wird, dafs seine Fläche nur in sechsgleichseitige Dreiecke nebst ihren Segmenten zerlegt
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