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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
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Erster Brief.

werden kann, einen andern einschlägt: nur behauptet,dafs die Zirkelöffnung, mit welcher ein Kreis beschriebenwurde, gerade sechsmal um denselben herumgeht, undnun auffordert, durch Probieren an grofsen und kleinenKreisen sich von der Richtigkeit der Behauptung zu über-zeugen. Dies Verfahren ist unphilosophisch, das weifs ichselbst. Ich will aber auch nicht vor Ihnen philosophieren,sondern ich will Sie mit dem unterhalten, was ich mir er-spekuliert habe. Ich schreibe zur Unterhaltung,höchstens zu belehrender Unterhaltung, undich bitte Sie, diesen Gesichtspunkt nie aus den Augenzu verlieren. Die Belehrung bildet das Beiwort, dieUnterhaltung das Hauptwort, weil die Hauptsache.Von der vorausgesetzten Erlaubnis Gebrauch machend,werde ich auch nicht, was sonst kaum zu vermeiden seinmöchte, damit beginnen, eine genaue Bestimmung desBegriffes Geist vorauszuschicken oder seine Definitionaufzustellen: Definitionen, deren Gefährlichkeit im RechtIhnen in Ihren früheren juristischen Studien so oft ein-geprägt ward, sind in der Philosophie wo möglich nochbedenklicher, um so mehr, da man gegen ihre Definitionnicht so nachsichtig zu sein pflegt, wie gegen die jenesChirurgen, der beim Examen definierte: Rheumatismus ist, wenn man Opodeldoc einreibt, oder die, jener offenbarnachgebildete, mit der das deutsche Strafgesetzbuchanhebt: Eine Handlung, welche die Gesetze mit der undder Strafe belegen, ist ein Verbrechen, eine Handlungaber, die geringer bestraft wird, ist ein Vergehen. Solange es darum geht, werde ich versuchen, ohne einesolche auszukommen. Um mich aber nicht in nebulöseFernen zu versteigen, werde ich ganz wie Sie, der Sie inIhrem Briefe mit den Ausdrücken Psychologie, Geistes-lehre und Anthropologie wechseln, wenn ich von Geistspreche, nur den menschlichen Geist meinen und völlig