Erster Brief.
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Mondsucht oder chronische Geschwülste sich nach denMondphasen richten? Ich will zugeben, dafs es nichtgeschieht, die Unmöglichkeit aber ist damit noch nichtbewiesen, und solange dies nicht geschehen, darf manwohl von Irrtum, nicht aber von Aberglauben sprechen.Alle jene verschiedenen Zustände der Erde, sie dringentief auch ins Innere des Menschen und geben seinem Em-pfinden, dem, was wir seine Stimmung zu nennen pflegen,eine bestimmte Farbe. Nicht nur das Kind ist furchtsamerbei Nacht als bei Tage, sondern Bonaparte behauptete,unter seinen Generalen nur zwei gefunden zu haben, diezwei Stunden vor Sonnenaufgang Mut gehabt hätten.Wer hat nicht an sich selbst bemerkt, dafs das Frühjahrdiese sehnsüchtig melancholischen Reisegedanken bringt,in welchen wir, wenn wir nicht mit den Schwänen ziehenkönnen, doch mit Mignon klagen möchten? Wer endlichmöchte sagen können, dafs er nie beim Vollmondschwärmte, und dafs der Neumond ihm ganz dieselbensüfsen Empfindungen gebe, wie jener?
Die eben betrachteten Zustände der Erde sind schnellvorübergehende, denn auch eine Jahreszeit dauert nurdrei Monate — nach dem Kalender nämlich, denn dafsbei unserm sechs Monate langen Winter nicht neun fürdie übrigen Jahreszeiten bleiben, erfahren wir leider zuoft. Es giebt aber, wenn wir einen gröfsern Lebens-abschnitt der Erde betrachten und zu diesem Ende dieJahrbücher der Geschichte aufschlagen, gewisse Zeiten,wo der Zustand der Erde ein ganz eigentümlicher war,wie wir aus den Folgen ersehen können, wenn auch seineGründe bis jetzt uns verborgen blieben. Es giebt unfrucht-bare Jahre, es giebt Jahre der Krankheit. DafsMifswachs,dafs Krankheit von der Beschaffenheit der Atmosphäreabhängt, sei es nun von ihrer Wärme und Kälte, sei esvon einem sie erfüllenden Miasma, sei es von plötzlich