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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
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Zweiter Brief.

im Körperlichen. Soll gestorben sein, so wird wahrschein-lich die phlegmatische Konstitution mehr Wassersüchtige,die sanguinische mehr Lungensüchtige darbieten. EinenTod für den besseren erklären, ist Geschmackssache.Eben darum ist es auch eine Verkehrtheit, wenn man zurErfüllung der allerhöchsten Interessen des Menschen demeinen Temperamente mehr Fähigkeit zuschreiben wollte,als dem andern. Kant hat mit Recht sich gegen die er-klärt, welche behaupten: der Choleriker sei in der Regelorthodox, der Sanguiniker dagegen Skeptiker u. s. w. Dafskein Temperament die Intensität der religiösen Gesinnungausschliefst, dies zeigt die Erfahrung. Der CholerikerMoses war nicht weniger religiqs, als der entschiedeneSanguiniker Luther; Muhammed , dieser entschiedene Me-lancholicus, nicht weniger als der, nach seinen Schriftenzu urteilen, reine Typus des Phlegmatikers Confucius .Das Phlegma Kants , die cholerische Natur Fichtes, dieSanguiniker Baader und Steffens, sie beweisen, dafs dasTemperament nicht den Philosophen macht. Vom Glaubenund der Wissenschaft, von der Moralität und Rechtlich-keit gilt das Wort, dafs uns das nicht vom Fleisch undBlut gesagt wird-, Naturell aber, Konstitution, Tempera-ment, wie man es nennen mag, sind die konstante Be-schaffenheit von Fleisch und Blut. Also nicht ein Abwägenihrer Vorzüge soll mein Vergleichen der verschiedeneneben genannten Naturelle sein, sondern es soll nur ihreunterscheidenden Merkmale hervortreten lassen. Da stel-len sich die vier untereinander in dieses Verhältnis,dafs immer zwei auf einem gemeinschaftlichen Boden stehen,eben deswegen aber sich am allermeisten abstofsen (wieja der diametrale Gegensatz immer auf gleichem Niveausteht), während, obgleich das andere Paar eigentlich mehrvon ihnen unterschieden, hier eher ein Zusammengehenmöglich ist. Der Phlegmatiker nämlich und der Choleri -