Buch 
Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
Seite
79
JPEG-Download
 

Vierter Brief.

79

die ich von der Psychologie fordere; erscheint Sie Ihnenals unrichtig, so werde ich (da es uns ja auf die Resul-tate besonders ankommt) nichts zu ihrer Rechtfertigungsagen, sondern Sie bitten: denken Sie sich ein anderesRäsonnement, welches, von dem Gedanken des natürlichbestimmten Individuums ausgehend, zu dem Resultat kommt,dafs man bei diesem nicht als bei dem letzten stehen blei-ben dürfe, sondern fortgehen müsse, dazu es auch als natür-lich Unterschiedenes zu denken, denken Sie sich, sage ich,ein solches Räsonnement, uiid Sie wissen, wie ich vom Psycho-logen verlange, dafs er von jenem zu diesem übergehe oderden Begriff des menschlichen Individuums näher bestimme.

Was für die Psychologie als philosophische Disciplindas wichtigste ist in der Betrachtung der gleich langen(achtzehnjährigen) Perioden, in welche das menschlicheLeben zerfällt, das ist einmal, dafs dieser Verlauf, denwir alle für etwas ganz Natürliches halten, wirklich denBegriff des Menschen bildet. Dann aber, dafs dieseAltersstufen das ganze Individuum treffen, d. h. dafs hierein völliger Parallelismus zwischen dem Äufsern und In-nern stattfindet, aus jenem dieses gedeutet, aus diesemjenes verstanden werden kann. So verlockend es seinkönnte, grofses Gewicht auf den Umstand zu legen, dafsdie Periode von 18 Jahren eine grofse Bedeutung hat fürunsere ganze Erde, indem bekanntlich alle 18 Jahre (und11 Tage) sich gleiche Verhältnisse mit dem Monde er-geben, so unterlasse ich dies aus Galanterie; in derThat käme das weibliche Geschlecht mit seinen 15jährigenLebensabschnitten zu kurz. Darum ohne alle tellurischenPhantasieen zur Sache. Gleich in der ersten achtzehn-(fünfzehn-) jährigen Periode, welche selbst wieder in zweiAbschnitte zerfällt, in das Kindes- und Knaben -Alter,tritt uns jener Parallelismus sichtbar entgegen. Wie hülf-los wird das Kind geboren, wenn wir es (ich will von