Fünfter Brief.
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gewesen waren, zur Herrschaft kommen, und nun einjunger Mann, zu dessen Füfsen bisher die Kriegsministerinvergeblich geseufzt hatte, genötigt ist, auf ihren Befehlihr die Hand zu küssen, weil, wie er seufzend sagt, „wirdas stärkere Geschlecht“ sind. Wir gehen einer gleichenRevolution entgegen, nicht nur im figürlichen, sondern imwirklichen Sinne; denn da die Zahl der jungen Männer,die keinen Tabaksrauch vertragen können, ebenso wächst,wie die Cigarrenkonsumtion bei den Damen, so kannes nicht lange währen, und jene werden es vorziehen,die Hand anstatt des Mundes zu bieten. Dann wird dieEmancipation ihre Triumphe feiern und eine Gleichheitstattfinden, der gleich, die im Jahre 1848 eine Torfträgerineiner geschmückten Dame weissagte: „Ja, Madamchen,alles wird gleich. Sie werden Torf tragen und ich in Seidegehen.“ Was ich in unserer Zeit bedaure, ist der geringeEinflufs der Frauen, die Ohnmacht des Geschlechts,welches die Penaten der Sitte und der Bildung hütet.Wie jener Antäus ist es stark, ist es unüberwindlich, solange es auf dem Boden der Natur steht. Listige Feindesind ihm genaht und haben ihm geraten, sich zu erheben,und ihm die Hülfe zu solcher Erhebung angeboten. ArmerAntäus! er steht nur noch mit den Fufsspitzen auf demBoden und freut sich des erweiterten Gesichtskreises,noch etwas höher und — seine Macht ist dahin. Da mitder Macht der Frauen die Bildung der Welt wächst undfällt, so ist, was die Rückkehr der Barbarei, die wieein drohendes Gespenst uns ängstigt, verhindern kann,in ihre Hand gegeben. Mögen sie sich emaneipieren vonden falschen Theorieen, die uns von ihnen emaneipierenund darum der Roheit in die Arme werfen. Mögensie sich besinnen und zum beiderseitigen Glück diesimple Wahrheit wieder einsehen, dafs es am Endebesser ist, mit einem Kufs die Welt zu regieren, als