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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
Seite
123
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Fünfter Brief.

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erfüllt, dafs sein Gefühl hier auf ein verfehltes Zielhinweist, auf ein Nicht-vollendet-sein des Menschen.Nicht nur Fouques Undine und die russischen Leibeigenenbekommen erst durch Verheiratung eine Seele, sonderneine ähnliche Veränderung geht durch die Liebe in jedemvor. Es fragt sich, da in diesem Augenblick behauptetwurde, der Mann höre in seiner Verbindung mit demWeibe nicht auf, Mann zu sein, worin jene Veränderungbesteht? Offenbar in einer Ergänzung mit dem, wasjedem von beiden in der Trennung abgeht, und so wäreder Ausdruck, den man wohl gebraucht hat, der Mannwerde dadurch feinfühlender, taktvoller, die Frau dagegenverständiger, zulässig, wenn nur nicht mit demselben sichVorstellungen verbänden, die mit dem Festhalten desGeschlechtscharakters unvereinbar sind. Will man ganzgenau sprechen, so wird man sagen müssen: der Mannlernt so denken, wie das Weib fühlt, das Weib so fühlen,wie er denkt. Es handelt sich hier nicht um unnützeSpitzfindigkeiten, sondern um das Praktischste, was esgiebt, um Liebes-, d. h. Lebensglück, was ohne solcheDistinktion Gefahr läuft. Was nämlich die beidenGeschlechter so aneinander fesselt, ist der stete Reiz derNeuheit, den sie für einander haben, dafs sie einanderstets unergründlich und darum interessant bleiben.Das Studium der Frauen wird nicht absolviert, und jederFortschritt bietet neue Aufgaben dar, und das ist es, wases so siifs macht. Ebenso ist das Wort, welches in einemschönen Munde ein Tadel sein soll:Nein die Männersind doch unbegreiflich! das ist gerade ein Beweis, dafsjener Mund einmal noch süfse Worte flüstern wird. Dafswir an uns zu studieren haben und nie damit zu Endekommen, das ist es, was uns anzieht. (Darum findenSie auch nur unter den Verächtern der Frauen die,welche behaupten, die Frauen ganz zu kennen.) Allein