Achter Brief.
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Lebendigen nannte. Oder vielmehr nicht „obgleich“,sondern „weil“. Denn Leben ist Nichtsein, istWerden, Sein ist ihr Tod. Leben ist nur im Aufhebendes Daseins, während das Leblose da (oder wie dergemeine Mann vom Toten sagt, fertig) ist. Soll ichmit einem Worte sagen, was ein Lebendiges ist, so sageich: ein beseelter Leib, eine — darf ich, ohne dafsSie einen Nebengedanken dabei hegen, beleibte, odersoll ich Vorsicht halber leibhaftige Seele sagen? —Wenn aber das Lebendige nur ist als dieses Beides, undbeide nur Seiten des Lebendigen sind, so folgt von selbst,dafs keine der beiden Seiten ihm wesentlicher ist, als dieandere. Darum gilt es dem gemeinen Sprachgebrauchvöllig gleich, ob man sagt, es habe sich jemand ent-leibt oder er sei entseelt, obgleich doch jenes heifst: desLeibes, dieses: der Seele entledigt sein. Ebenso aberfolgt, da beide nur Seiten des Lebendigen sind, dafs voneiner Trennung beider nicht die Bede sein kann. WieSie die Flamme nicht von ihrer Nahrung trennen können,indem sie mit der Nahrung verschwindet, so ist eineSeele ohne einen Leib, d. h. eine Funktion ohne einFungierendes, nicht denkbar. Dafs aber der Leib ohneSeele ebensowenig zu denken ist, das geben wir alleschon dadurch zu, dafs wir das Entseelte nicht mehrLeib, sondern Leichnam, Kadaver, Körper nennen.Leib und Seele könnten verglichen werden mit demharmonischen Zusammenklingen einer Vielheit von Tönen;klingen die Töne nicht mehr, so giebt’s auch keineHarmonie. Eben deswegen aber kann auch, wenn voneinem Sitze der Seele gesprochen wird, nur der ganzeLeib als dieser Sitz angesehen werden, ganz wie dieHarmonie in allen Tönen gesetzt ist, und nicht in einem.Zeigt sich aber weiter das Belebt-sein in einer Vielheitvon Funktionen, die jede ihr eignes Organ haben, so