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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
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265
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Zehnter Brief.

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(den Saal) mit der Aufsenwelt, die dem Ich gegenüber-steht, wenn es sich von der Welt (wie Ihr Vorderzimmervom Saal) absondert. Ich habe den Akt dieser Trennungeinen furchtbaren genannt, weil an die Stelle des unschul-dig geselligenWir alle jetzt das vereinsamendeIchund alles übrige vor mir getreten ist, und weil mitdieser ersten Vereinsamung der Keim einer ganz anderngegeben ist, deren Wahlspruch ist:Ich und nach miralles übrige. Ohne Ichheit keine Ichsucht. Lassen wirden Ernst und die Furchtbarkeit dieses Aktes beiseite,und bleiben wir bei der Betrachtung der Veränderungstehen, die mit dem Menschen vorgegangen ist dadurch,dafs er zu sich selbstIch sagt.

Soweit und so lange der Mensch nur Individuum, ister in der Welt nicht als ein Fremdling, sondern als orga-nisches Glied mit ihr verbunden. Darum participiert erunmittelbar an ihrer Beschaffenheit, der Zustand der Erdeist auch seiner, er ist irdisch, er ist europäisch, er istenglisch , weil die Erde, weil Europa , weil England ihnhält, in ihm lebt. Jetzt, indem er sich über die Indivi-dualität erhebt, wird, was bisher individuelle Beschaffen-heit war, zu einem Objekt. Ihm steht das Irdische alsObjekt gegenüber, er ist es nicht mehr, sondern hat eszu seinem Gegenstände. Die europäische Natur ist nichtmehr seine, sondern er bezieht sich auf dieselbe als aufein Fremdes, das er anstaunt, betrachtet u. s. w. Ebendarum möchte ich für diese Veränderung ein anderes Bildwählen, als das eben von Ihrem Saal hergenommene. Den-ken Sie sich den Puppenzustand einer Raupe in dem Mo-mente, wo sie zum Schmetterling wird. Eben war dasGehäuse noch ihr Leib, es verletzen hiefs sie töten; indem Augenblick, wo sie sich davon losgemacht hat, ist eseine tote Hülse, die den Schmetterling nichts mehr an-geht, die er neugierig betrachtet als etwas, was er zum